Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
C. G. Jung: Zur Psychologie und Pathologie sogenannter okkulter Phänomene. Leipzig, Mutze. 1902. 122 S.
Person:
Sommer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32647/1/
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Literaturbcriekt. 
«ein scheint» als ein ununterbrochenes Flietoen von Bildern, Eindrücken, 
flüchtigen Gefühlen» und wo es frei ist von den befestigenden Elementen 
des sozialen Lebens und. der Sprache, diese unaufhörliche Beweglichkeit 
doch beständiger ist» als man. glaubt Denn das seelische Leben kehrt xn 
sich zurück, es wiederholt sich, sieht sich selbst und macht gleichsam einen 
Bericht über seine Vergangenheit, d. h. es entsinnt sich seiner früheren 
Träume. 
Verf. wirft zum Schlafs noch, einen. Bück auf die Beziehungen dieses 
Gedächtnisse« zum logiseben. Bewusstsein. Versteht man. darunter das 
Zusammen der Identifizierungen und symbolischen Vorstellungen, mittels 
derer wir im Wachen eine Erinnerung lokalisieren» so mute man behaupten, 
dafs diese Funktionen, dem Traumgedächtnis fremd, sind,. Jede Zeit 
bestimmnng, sowie jede voUstiniige Lokalisierung der Bilder fehlt Ver¬ 
steht man dagegen unter logischem Bewusstsein das Bewufataein der Einheit 
des Ich» so bleibt dasselbe während des 4. Zustande« klar bestehen. 
Bef. kann, nicht umhin, den Ausführungen, des Verf. einiges entgegen* 
zuhalten: Ans dem analogischen Funktionieren unserer Seele während der 
8. und 4. Periode erklärt sich noch nicht das Wiedererkennen von. Träumen 
aus der 2. Periode während der 4. Dafs ferner die Träume der 4. Periode 
zum Unterschiede von denen der 2. Periode vom. Gefühle der Lust begleitet 
sind, widerspricht der allgemeinen, Tatsache» dato die Überwiegende Mehr¬ 
zahl, unserer Träume mit Unlust verbunden sind. .Es ist nicht wahr¬ 
scheinlich, dato gerade während der Nichte» in, denen, die betreffenden 
Beobachtungen gemacht worden sind, das betreffende Individuum lauter 
Lustträume gehabt hat. Selbst wenn dies der Fall wäre» könnte man 
doch, diese Annahme nicht für alle Nächte verallgemeinern. Verf. wollte 
wohl behaupten, dafs die Träume der 4. Periode Überhaupt emotioneller 
sind» im negativen oder positiven Sinne. Bef. hat oft gleich nach dem 
Erwachen 5 Träume einer vorangegangenen Nacht anfgeschrieben und zwar 
in der Reihenfolge, in welcher sie sich ihm dargeboten hatten. Auch konnte 
er hin und wieder einen Traum aus der ersten Schlafperiode ins wache 
Leben retten. Prüfe ich nun diese letzteren sowie die ersten Träume jener 
Traum reihen auf ihren emotionellen Gehalt hin, so kann ich nicht finden, 
dafa sie alle ohne Emotionen verlaufen sind. Nur haben die Emotionen 
nicht die Illusion änfserer Körperbewegungen zur Folge (z. B. von Ent¬ 
fliehen» Zurück weichen). Auch sind die betreffenden Träum© kürzer und 
teilweise verworrener. 
Richtig ist, dato man im Wachen den Gegenstand der Träume der 
8. Periode, welche den entsprechenden der 4. ähnlich sind, nicht wieder¬ 
finden kann. Man entsinnt sich nur, dato einem während eines bestimmten 
Traumes der 4. Periode der Gedanke gekommen Ist» denselben soeben schon 
einmal erlebt zu haben. Häufig dürfte dies auch auf Erinnerungsfälsehung 
beruhen. Giesslkk (Erfurt). 
€. G. Juso. Zur Psychologie ui Pi the lagt© segOBtaater ekkmitor Phla«eie- 
Lelpzig» Mutze. 1902. 122 S. 3 Mk. 
Die unbefangene Erforschung des Okkulten d. h. Verborgenen 
bildet oft die Voraussetzung 'dazu, um, Wissenschaft irgend welcher Art
        

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