Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
C. Bos: Contribution à l'étude des sentiments intellectuels. Rev. philos. 55 (4), 353-372. 1903
Person:
Giessler
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32642/1/
Literaturbericht. 
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punkte gleich© zeitliche Entfernung, während bei der Tonuskurve die Um- 
kehrpunkte verzögert erreicht werden. Die Leichenkurve tritt auf nach 
Zerstörung des' Zentralnervensystems, Curarisierung, Ischiadikusdurch- 
schneidung, Durchtrennung der vorderen und hinteren Wurzeln. Da nach 
Durchtrennung allein der sensiblen Wurzeln die Leichenkurve entsteht, 
kommt die Tonuskurve durch sensible Reize, welche durch den Zug des 
herabfallenden Hebels ausgelöst werden, reflektorisch zustande. Nach 
Zerstörung der Labyrinthe ist meist sofort di© Leichenkurve vorhanden, 
in einigen Fällen hingegen ©rat am nächsten Tage; letztere® wird auf ©inen 
vorübergehenden Reizzustand des N. octavus bezogen. Entfernung nur 
eines Labyrinths gibt beiderseitig ©ine Zwischenform, zwischen Tonus - und 
Leichenkurve. Während die Entfernung des Grofshirns di© Tonuskurve 
eher etwas verstärkt, hatte schon di© Fort nah me des Thalamus opticus 
dauernd Leichenkurve zur Folge. Für das reflektorische Zustandekommen 
der Tonuskurve infolge der ausgelösten sensiblen Reize ist also Beein¬ 
flussung von seiten der Labyrinthe nötig; die vom Labyrinth zum Rücken¬ 
mark gehenden Bahnen gehen vielleicht durch den Thalamus opticus. 
W. Tbenbblbnbubö (Freiburg i. Br.). 
€. Bos. Contribution I l'étude des sentiments intellectuels. Rev. philos. 55 (4), 
353 372. 1903. 
An jeder Empfindung kann man eine repräsentative und eine affektive 
Seite ins Auge fassen. Bei letzterer handelt es sich nicht eigentlich um 
Lust und Unlust. Dies sind keine primordialen affektiven Phänomene. 
Vielmehr besteht das primäre Affiziertwerden darin, date z. B. der Ton 
einer Glocke, die grelle Farbe einer Tapete diese und nicht jene Zellen in 
Aktivität versetzt. Di© Bezeichnung des Phänomens als angenehm oder 
unangenehm ist eine sekundäre Tatsache. Jede Empfindung besitzt also- 
ihr affektives Zeichen, ©in affektiv-organisches proprium, das irreduktibel ist. 
Das affektive Zeichen ist jedoch übertragbar. Denken wir dabei an 
die Analogien der Empfindung (Wundt). Der Komponist Schumann „pflegte 
seinen Mitschülern musikalisch© Porträts zu geben, indem er durch gesang¬ 
lich© Einkleidungen und variierte Rhythmen di© moralischen Nuancen und 
körperlichen Allüren seiner Freunde zeichnete“. Etwas Ähnliches hat man 
im kolorierten Hören. Bei manchen Personen erweckt nämlich di© Lektüre 
eines Briefes Farben als Begleiterscheinungen. Sokolow erwähnt ©ine 
Dame, welche sogar gewisse allgemeine Ideen kolorierte, wie z. B. Kraft 
(rot) und Gesetz (blau). In allen solchen Fällen ist ©ine affektive Assoziation 
im. Spiel. Die betreffenden Personen haben sich daran gewöhnt, mehr 
affektiv als intellektuell zu. perzipieren. 
Die intellektuellen Gefühle sind bei verschiedenen seelischen Aktionen 
von Bedeutung: Wenn wir uns einer Sache entsinnen wollen, und das 
betreffende Bild noch nicht erschienen ist, so haben wir doch schon den 
affektiven Anblick in unaerm Bewutetsein. Auch, die Assoziation der 
Ideen, vollzieht sich nur vermittels ihrer affektiven Elemente. Eine grotee 
Rolle spielt das Gesetz der Gewohnheit. Bei der Neigung zum Rauchen 
und Trinken ist es die Gewohnheit, date wir uns auf eine bestimmte Weise 
affiziert fühlen, welch© uns zur Erfüllung treibt. 
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