Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Th. Ziehen: Über die allgemeinen Beziehungen zwischen Gehirn und Seelenleben. Leipzig, J. A. Barth. 1902. 66 S.
Person:
Heymans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32634/1/
Literaturbericht 
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die Licke wieder klafft zwischen dem, ewigen Allgemeinbewufstsein (der 
früheren Materie) und dem. zeitlich entstehenden Einzelbewufstsein? daf» 
die Entstehung des letzteren genau dieselbe Schwierigkeit nur mit anderen 
Worten wiederbringt? dafs überhaupt diese ganze Umdeutung der Materie 
ein blofses Spiel mit Worten ist?“ (1899'. Und weiter: „Kann man das 
Körperliche Überhaupt wegdekretieren? Sind Erscheinungen ein absolutes 
Nichts, sind Ausdehnung, Gestalt, Farbe nun wirklich ganz aus der Welt 
verschwunden? Wenn nicht, wo bleibt der Monismus? . . . Und sind wir 
nas, aufrichtig gesprochen, über das Verhältnis jetzt klarer wie vorher? 
Warum mufs denn das Wesen überhaupt erscheinen und so verschieden 
von. sich selbst erscheinen?“ (1903). Dem Bef. kommt es vor, als ob der 
Verf. die Wehrmittel der Partei, welch© er bekämpft, doch etwas unter¬ 
schätzt hätte. Er gestattet sich zu bemerken : zum ersten, dafs in der Tat 
die vorübergehende Absonderung von Einzelbewufstseinen aus einem 
Gesamtbewufstsein (wie wir sie täglich bei jeder Konzentration der Auf¬ 
merksamkeit, viel ausgesprochener aber im hysterischen Krankheitsbilde 
feststellen können) bedeutend weniger unbegreiflich ist als eine Entstehung 
des Bewufstseins aus einer rein physischen Materie; zum zweiten, dafs die 
physischen Erscheinungen gewifs „etwas“ sind, nämlich Wahrnehmungen 
in menschlichen und tierischen Bewufstseinen, dafs sie aber eben dadurch 
sowohl mit ihren gleichfalls als psychisch vorausgesetzten äufseren Ur¬ 
sachen, wie mit allen direkt gegebenen psychischen Prozessen sich Einem 
Begriffe subsumieren; und zum Dritten, dafs das Verhältnis zwischen Wesen 
und Erscheinung sich vollständig demjenigen zwischen Ursache und 
Wirkung unterordnet, und demnach genau so klar oder unklar ist wie 
dieses, dessen nun doch einmal keine Theorie entraten kann. 
Heymans (Groningen). 
Th. Ziehen. filer die allgemeinen Beziehungea zwischen Gehirn und Seelen¬ 
leben. Leipzig, J. A. Barth. 1902. 66 S. 
Nach einer ausführlichen, manches Neue bringenden Übersicht der 
historischen Entwicklung des im Titel der vorliegenden Schrift genannten 
Problèmes, werden die wichtigsten Lösungsversuch© vorgeführt und einer 
kritischen Besprechung unterzogen. Dieselben werden in dualistische 
und monistisch© ©ingeteilt; der ersteren Grupp© werden der reine (rea¬ 
listische) Parallelismus und di© Wechselwirkungslehre, der zweiten der 
Materialismus, der Spiritualismus und der Idealismus zugerechnet. Dem 
reinen Parallelismus wird hauptsächlich die Kürz© der psychischen im 
Vergleich mit der physischen Erscheinungsreihe, welche sich nur durch 
die mit einem inneren Widerspruch behaftete Annahme eines Unbewufst- 
psychischen verhelfen lasse —, der Wechselwirkungslehre die Geschlossen¬ 
heit der Gehirnkausalität entgegengehalten ; der Materialismus scheitere 
m der Unbegreiflichkeit der Entstehung psychischer Prozesse aus 
materiellen Ursachen, und über die Aussichtslosigkeit aller spiritualistischen 
Versuche seien kein© Worte zu verlieren. Ebensowenig wie diese, seien 
aber auch einig® blofs scheinbar-monistische Theorien (Spinoza, Spencer, 
Fichhrr), welch© statt Beweise nur verlockend© Vergleiche bieten, dazu 
geeignet, über die vorliegende Frage Licht zu verbreiten. So bleibe
        

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