Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Windt: Über Daktyloskopie. Archiv f. Krim.-Anthropol. u. Kriminalistik 12, 101-123. 1903
Person:
Umpfenbach
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32630/1/
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Literaturberich t. 
druck schärfer gefafst worden. Man fühlt, wie Bücher Einwände und 
Beobachtungen fortarbeitend benutzte. So ist S. 52—56 die Einteilung der 
Arbeitsgesänge viel feiner durchgeführt und tiefer begründet als in der 
ersten Auflage, auch S. 343 348 ist vieles neu: so insbesondere die 
physiologische Erklärung der Arbeitslaute bei schwer arbeitenden Menschen 
als Expirationslaute, die Bücher von Dr. F. Oppenheimer mitgeteilt wurde, 
und die genauere Ausführung der Stufenfolge, in der sich nach Bücher« 
Ansicht die Poesie allmählich von der Arbeit losgelöst hat. 
Ob man es für bewiesen hält, dafs in der energischen rhythmischen 
Körperbewegung, die wir Arbeit nennen, die aber bei Naturvölkern von 
anderen spiel- und tanzartigen Bewegungen nicht scharf gesondert werden 
kann, allein der Ursprung der Poesie und Musik zu suchen ist, davon 
hängt der Wert des vorliegenden Werkes keineswegs ab. Eine wichtige 
Entwicklungsreih© ist sicher auf gezeigt — ob noch andere daneben bestehen, 
mögen weitere Forschungen lehren. Dem Psychologen liegt gegen die Be¬ 
hauptung, dafs der Rhythmus primär dem motorischen, erst sekundär dem 
akustischen Gebiet an gehört, ein Einwand nahe: wir hören doch auch in. 
objektiv nicht rhythmisierte Schallfolgen subjektiv einen Rhythmus hinein. 
Aber der Motoriker könnt© hier auf begleitende Taktierbewegungen hin- 
weisen, deren gänzliches Fehlen bei solchem Hineinhören schwer zu be¬ 
weisen sein wird, ja im allgemeinen unwahrscheinlich ist. 
Cohn (Freiburg i. B.). 
Windt. Über Daktyloskopie. Archiv f. Krim.-Anthropol. u. Kriminalistik 1*2, 
101—123. 1903. 
Di© Fingerabdrücke sind verursacht durch die sog. Papillarlinien, welche 
die Hand und namentlich die Finger bedecken. Sie bilden an den sog. 
Beeren der Finger ganz bestimmte Muster, welch© beim Menschen zeit¬ 
lebens dieselben bleiben, wenn sie auch natürlich beim Erwachsenen 
gröfsere Dimensionen zeigen als beim Kinde. Auch bei den Mumien bleiben 
sie noch erhalten. Man kann daher nach den Fingerabdrücken, welche bei 
allen Menschen verschieden sind, ev. einen gewissen Menschen später durch 
Vergleichung der Fingerabdrücke wieder erkennen. Der des Schreibens 
unkundige Türke trägt einen mit Sepia oder Tinte benetzten Schwamm 
bei sich, um mit dem benetzten Zeigefinger der rechten Hand ev. seinen 
Fingerabdruck unter eine Urkunde zu setzen. In gewissen Gegenden, z. B. 
in Indien, verlangen die Behörden neben der Unterschrift noch ©inen 
Fingerabdruck, da erster© gefälscht sein kann, letzterer nicht. In England 
werden seit Jahresfrist die Fingerabdrücke gewisser Verbrecher abgenommen 
und registriert zwecks späterer Wiedererkennung. Vor der Bertillonierang 
hat die Daktyloskopie eine Menge Vorzüge. W. glaubt, dafs man ihr bald 
allerorts vor der Anthropométrie den Vorzug geben wird. Umffknbach. 
O.Ritschl. Wissenschaftliche Ethik und moralische Gesetzgebung. Grundgedanken 
einer Kritik der gegenwärtigen Ethik. Tübingen und Leipzig, J. G. B. Mohr 
(Paul Siebeck). 1903. 43 S. M. 1,00. 
In der vorliegenden Abhandlung wendet sich der Verf. gegen die 
Auffassung der Ethik als einer praktischen oder genauer einer Normwissen-
        

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