Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Duprat: Etude zur [Corr.: sur] le Mensonge. Bulletin de la société libre pour l'étude psychologique de l'enfant 2 (9), 220-229. 1902
Person:
Weiss
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32625/1/
Literaturberich t. 
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dagegen nur 13 von 41 Mädchen für Rückgabe des Geldes. Verf. führt 
aus, dafs die schriftlich niedergelegten Antworten der Kinder nicht ohne 
weiteres beweisen, wie die Kinder in Wirklichkeit gehandelt hätten, sondern 
nur leigten, was sie unbeeinflufst nach reiflicher Überlegung für richtig 
hielten. Die Verschiedenartigkeit der Motive, die für die einzelnen Kinder 
bei ihrer Stellungnahme mafsgebend waren, und die dabei zutage tretende 
Unkenntnis eines so wichtigen Rechtsgrundsatzes werden Strafrichter, 
Pädagogen und Verwaltungsbeamte interessieren; für den wissenschaft¬ 
lichen Psychologen ist das Ergebnis der sorgfältigen Untersuchung wiederum 
ein Beweis dafür, dafs eine geschickt gestellte Klassenaufgabe ein vorzüg¬ 
liches Mittel zur Erforschung des kindlichen Seelenlebens abgeben kann. 
Pappenheim (Gr.-Lichterfelde). 
Büpbat, Stüde sir le Mensonge. Bulletin de la société libre pour l’étude 
psychologique de Venfant 2 (9), 220 229. 1902. 
Die Société libre pour l’étude psychologique de l’enfant hat eine 
Enquête veranstaltet über die willkürlichen und unwillkürlichen Ent¬ 
stellungen der Wahrheit bei Kindern. Das Kind bildet, so meint der Verf., 
für eine derartige Enquête das geeignete Objekt. Bei Erwachsenen bliebe 
ein. solches Verfahren aussichtslos, weil einerseits die Tatsache der Lüge 
selbst schwer zu konstatieren ist, da hier die subjektive Interpretation von 
Ereignissen eine Rolle spielt, andererseits die psychologische Grundlage 
einer falschen Aussage wegen der Mannigfaltigkeit der Möglichkeiten kaum 
ii eruieren ist. Viel einfacher und durchsichtiger sei die Sachlage beim Kinde. 
Ungefahr 250 Antworten sind aus den meisten Teilen Frankreichs, 
lieh aus Algerien, eingegangen und zwar fast ausnahmslos von Lehrern 
md Lehrerinnen. Die Schwierigkeit der Beurteilung des vorliegenden 
Materials liegt einerseits nach der Ansicht Düpbats in dem Umstande, dafs 
die Gewährsleute in der Beobachtung nicht geübt genug sind, man liest 
in den Antworten zuviel unnötige Bemerkungen, die bestimmte Darlegung 
der nackten Tatsache mit den wesentlichen Details fehlt. Andererseits 
haftet der vorliegenden Statistik der Mangel an, der jeder psychologischen 
Statistik eigen ist: die beobachteten Tatsachen sind nicht psychologisch 
gleichwertig, man hat kein homogenes Material und man darf nicht von 
vornherein annehmen, dafs di© Tatsachen der Lüge sich annähernd mit 
einer solchen Regelmäfsigkeit ändern, wie etwa di© Ziffer der Geburten, 
der Sterbefälle oder Selbstmorde. 
Angesichts dieser Schwierigkeiten beschränkt sich der Verf. darauf, 
auf Grund des vorliegenden Materials eine Klassifikation zu geben ohne 
Angabe von Zahlen. Diese zerfällt in eine Klassifikation der Lügen, der 
Lügenden, der psychologischen Ursachen und der sozialen Ursachen der 
Lüge. Diese blofse Klassifikation hat offenbar keinen Wert. Man könnte 
auch ohne di© Statistik a priori eine Tabelle aufstellen, in der die ver¬ 
schiedenen Arten der Lüge usw. verzeichnet werden. Jedoch verweist der 
Verf. in bezug auf weitere Details auf eine demnächst erscheinende Studie. 
Zum Schlufs betont der Verf. die Notwendigkeit der absoluten Be¬ 
kämpfung jeder Art der Lüge, durch die Erziehung zur Liebe zur Wahrheit 
und zum Hafs gegen alles Falsche. Weiss (Gr.-Lichterfelde).
        

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