Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Lindig: Über die verstimmte Oktave bei Stimmgabeln und über Asymmetrietöne. Annalen der Physik, 4. Folge, 11, 31. 1903
Person:
Gaede
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32597/1/
Literaturbericht. 
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mit welcher einerseits die Konsonanzgrade, andererseits die Einheitlichkeit 
der Konsonanzen und die Schwierigkeit ihrer Analyse zu- und abnehmen, 
Das psychologische Problem der Konsonanz zerfällt in mehrere Fragen. 
Man mufs das Intervallurteil von dem unmittelbaren Bewufstsein der 
Konsonanz und Dissonanz unterscheiden und hierin wieder die Empin- 
dungsmerkmale und die zugehörigen Gefühle auseinanderhalten. Verf. ver¬ 
breitet sich hierüber des näheren im zweiten Abschnitt seiner vorliegenden 
Abhandlung, der auf die Frage hinausläuft, wie sich der Konsonanz- reap. 
Dissonanzcharakter eines Zusammenklanges von dem einer Tonfolge unter¬ 
scheidet. Das unmittelbare Bewufstsein der Konsonanz oder Dissonanz ist 
bei gleichzeitigen Tönen bestimmter und schärfer ausgeprägt als bei 
sukzessiven; darüber, meint K, seien wohl alle neueren Akustiker einig. 
Er selbst geht noch einen Schritt weiter und behauptet, bei der Tonfolge 
bestehe gar kein unmittelbares sondern nur ein abstraktes Bewufstsein der 
Konsonanz. Zunächst ist aber di© Frage zu stellen, wodurch sich ein kon¬ 
sonanter Zweiklang von einem dissonanten für die bewufste Wahrnehmung 
unterscheidet. Zu ihrer Beantwortung wird die grundlegend© Bedeutung 
der Differenztöne für Konsonanz und Dissonanz ins Feld geführt. Die 
genauer© Erörterung dieses Gegenstandes wird in der zu erwartenden 
weiteren Publikation des Autors enthalten sein. Vorerst weist K. nach 
historisch - kritischen Bemerkungen über di© Kombinationstonbildungen 
darauf hin, dafs schon Preyeb einen Versuch gemacht habe, di© Erklärung* 
der Konsonanz auf Verhältnisse der Differenztöne zu gründen, was Veran¬ 
lassung zu einer gedrängten Darstellung der FaEYEBschen Theorie und ihrer 
Mangel gibt. Die Abhandlung schliefst mit einer Rekapitulation der 
wichtigsten Ergebnisse der früheren Untersuchungen des Verf. über die 
Kombinationserscheinungen bei Zweiklängen und einer schematischen 
Konstruktion der Differenztöne. Schaefer (Berlin). 
Franz Lumm. Über die verstimmte Oktave lei Stimmgabeln und über Asjm- 
metrletOne. Annalen der Physik, 4. Folge, 11, 31. 1903. 
Werden zwei Stimmgabeln, di© annähernd das Intervall der Oktav© 
bilden, zusammen erregt, während sie auf ihren Resonanzkästen stehen, 
so hört man dabei leise, schwebungsartig© Klangveränderungen. Da es nach 
den Ergebnissen der Eiastizilfttstheori© ausgeschlossen ist, dafs eine Stimm¬ 
gabel die Oktave als Oberton geben kann, so hat man diesen Versuch 
dahin gedeutet, dafs hier zwei rein© Töne, d. h. solche Töne, von denen 
der eine den anderen nicht als Oberton enthält, miteinander interferieren, 
und di© Phasenungleichheiten der beiden Töne durch das Ohr direkt wahr¬ 
genommen werden. Eine solche Erklärungsweise steht indes in vollem 
Widerspruch zu den Untersuchungen von Helmholtz, Hermann und Lindig, 
aus denen hervorgeht, dafs die Phase, welche zwei verschiedene Tön© mit¬ 
einander bilden, ohne Einiufs auf den entstehenden Klang ist. Danach 
müfste es für den mit dem Ohre wahrgenommenen Klang ganz gleichgültig 
sein, ob die Zinken der Grundtonstimmgabel bei obigem Versuche zu 
gleicher Zeit die Ruhelage passieren wie die der Oktavenstimmgabel, d. h. 
in gleicher Phase schwingen, oder ob nicht Sind also Grundton und 
Oktave gegeneinander etwas verstimmt, so dafs abwechselnd Phasengleich-
        

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