Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
M. Borchert: Experimentelle Untersuchungen an den Hintersträngen des Rückenmarks. Diss. 1902. Wiedergegeben in Engelmanns Archiv. 37 S. 1902
Person:
Merzbacher
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32588/1/
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Literaturbericht. 
M. Bobchbbt. Experlmeitelle Uateriichiigen tu im Itattritrlftg«» its Rftckei- 
Btrks. Dise. 1902. Wiedergegeben in Engblmanns Archiv. 37 8. 1902. 
Das Hauptergebnis der Untersuchung liegt in der Behauptung, dafs 
den Hintersträngen jene Funktion abzusprechen ist, die vorzüglich nach 
den Versuchen Schiffs ihnen beigemessen wurde, nämlich die Vermitt¬ 
lung der Berührung®empfindung. Mach Bobchbbt sind die Hinter* 
.stränge als lange sensible Bahnen zu betrachten für Empfindungszuleitungen 
sämtlicher Sensibilitätsqualitäten (somit gibt Bobchbbt zu, dafs die Be¬ 
rührungsempfindung quantitativ nach Hinterstrangsdurchschneidung Ein* 
bufse erleidet) und zwar sollen sie isolierte Erregungen (d. h. die Lokal¬ 
zeichen des Körpers) der Hirnrinde zuleiten. 
Es stellen sich also .im ganzen die Befunde B.s denen Schiffs diametral 
entgegen. Bobchbbt versucht den Widerspruch hauptsächlich auf mangel¬ 
haft© Technik in den Versuchen Schiffs zurückzuführen. Diesem Er¬ 
klärungsversuch kann sich Ref. nicht anschUelsen. Bobchbbt behauptet 
erstens Schiff habe hei seinen Versuchen wahrscheinlich die Seitenstränge 
mitlädiert. Wenn man die Aufsätze Schiffs durchliest, wird man ein um 
das andere Mal auf die Versicherung stofsen, dafs er sich ängstlich gehütet 
habe, mehr zu verletzen als er gewollt habe; man liest Bemerkungen wie 
die folgenden: „die Hintersträng© wurden ohne Verletzungen der Seiten* 
stränge durchschnitten“ — „die Hinterstränge wurden mit Vorsicht und 
• » 
Schonung aller anderen Teile des Markes untersucht“, und Ähnliches mehr. 
Es ist zu betonen — Bobchbbt erwähnt es nur so nebenbei. — dafs Sotuff 
die Funktion der Hintersträng© anfangs dadurch bestimmte, dafs er alles 
andere durchschnitt und nur die Hintersträng© intakt liefs (oder sollte er 
dann jetzt etwa zu wenig durchschnitten haben?) Es ist ©ine unbewiesene 
und billige Behauptung, wenn Bobchbbt bemerkt, di© geschilderte Ver¬ 
suchsanordnung sei nicht beweiskräftig, da das Rückenmark durch die ge¬ 
setzten Verletzungen zu stark gelitten habe (bei negativem Ausfall de® 
Versuches wäre eine solche Anschauung sicher besser zu Verteidigern als 
bei positivem Erfolge). Mehr Gewicht könnte man auf die Verschiedenheit 
der Versuchstiere legen (Kaninchen resp. Hunde). Dafs Schiff die Pupillen¬ 
kontraktion hauptsächlich als Index für die bestehend© Berührunp 
empfindung heranzog, ist nicht richtig; Schiff beachtete meist die Reaktion 
des ganzen Tieres namentlich des Kopfes (es sei auch nebenbei bemerkt, 
dafs Schiff den Berührungsreflex scheinbar vor Münk kannte [cfr. Pflügen 
Archiv 38]). Ebenso unberechtigt ist Bobchebts Einwand, Schiff habe seine 
experimentellen Untersuchungen nicht genügend durch mikroskopische 
Befunde ergänzt. Im Gegenteil: Schiff wies die Degeneration durch die 
sehr feine Methode der Untersuchung mit Hilf© des Po 1 ar i s a ti onsm ikro- 
skopes nach. Die Angabe, er habe seine Präparate in unzweckmäfsiger 
Weise mit Alkohol gehärtet ist nicht zulänglich. Schiff macht wiederholt 
darauf aufmerksam, dafs ©r genau sich über die Einwirkung des Alkohols 
auf die Markscheiden informierte (cfr. Archiv f. Psychiatr. 11, 1880). End¬ 
lich zieht Bobchbbt den. Widerspruch zwischen der Erfahrung in der 
•menschlichen Pathologie und den Befunden Schiffs heran, dieser Wider¬ 
spruch bestehe mit seinen Versuchen nicht. Der genannte Widerspruch 
ist Schiff selbst nicht entgangen, und, er versucht auch zu erklären, wie
        

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