Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Eduard Hitzig: Physiologische und klinische Untersuchungen über das Gehirn. Gesammelte Abhandlungen. Teil I: Untersuchungen über das Gehirn. Teil II: Alte und neue Untersuchungen über das Gehirn. Berlin, K. Hirschwald. 1904. 1046 S. mit 1 Taf. und 320 Abbild. im Text
Person:
Nagel, W. A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32586/2/
104 
Litera turberich t 
Arbeiten, ist schon im Jahre 1874 gesammelt in erster 'Auflage erschienen. 
Bei der Neuauflage sind nun die seither erschienenen weiteren Publikationen 
angereiht, nach ihrer stofflichen Verwandtschaft zusammen gestellt 
Di© literarische Tätigkeit Hitzigb ist bekanntlich an .Kämpfen reich 
gewesen; darauf bezieht sich auch der oben zitierte Satz aus der Vor¬ 
rede. Gerade dl© letzten Publikationen richten sich in grofser Schärfe 
gegen H. Munk, seine Auffassung von der Physiologie der Hirnrinde und 
gegen seine Diskussionsweiße, über die sich H. heftig beklagt. In den 
älteren Arbeiten aus den siebziger Jahren mufste H. sein© Stellung gegen 
Goltz verteidigen, der, wie bekannt, H.s lokalisatorischen Befunden und 
Theorien skeptisch gegenüberstand, bzw. die Tatsachen anders gedeutet 
zu wissen wünschte. Eine ander© Arbeit wendet sich gegen Ferbisb. 
Im Mittelpunkt der neuesten Publikationen Hitzigs stehen di® Er¬ 
örterungen über die Sehzentren, über Binden- und Seelenblindheit. Die 
MuwKsche Lehre von der „Projektion“ der einzelnen Netzhautpunkte auf 
bestimmt© Punkte der Sehsphärenrind© verwirft H. wie 'bekannt, auch der 
Annahme v. Monakows, dafs wenigstens Gesetzmäfsigkeiten in den Be¬ 
ziehungen zwischen Retina und Occipitalrinde bestehen (eine relativ® 
indirekte Projektion), kann H. nicht zustimmen. Nur das erkennt er an, 
dafs temporäre Blindheit der unteren Hälfte des Gesichtsfeldes ausschlieto- 
lieh auf Läsionen der vorderen Hälfte der Sehephäre folgt und dato 
Läsionen des hinteren Abschnittes der Sehsphäre öfter Skotome in dem 
oberen Segment des Gesichtsfeldes zur Folge haben. Im übrigen nimmt 
H. mit BKBNHmiBR und mit einer früheren Ansicht Monakows an, „dato 
di© Fortleitung der optischen Reiz wellen von dem Corpus geniculatum 
zur Sehsphäre individuellen Schwankungen unterliegen“ und man für jeden 
einzelnen Fall eine besondere Art der Projektion konstruieren müsse. 
Rindenblindheit irgend welcher, geschweige denn in einem geseti- 
mäfsigen Verhältnis stehender Abschnitt© der Retina tritt nach Partial¬ 
exstirpation der Sehrinde in keinem Falle ein. Wird sie beobachtet, so ist 
sie ein© Folge von ausgedehnten Verletzungen der Sehstrahlung. Ein® 
gesetzmäßige Abhängigkeit der Lichtempfindlichkeit bestimmter Stellen 
der Retina von bestimmten Teilen der Sehrinde ist nicht einmal mit bezug 
auf den vorübergehenden Ausfall des Sehvermögens nach Partialexstirpation 
gegeben ; vielmehr bestehen allem Anschein nach in dieser Beziehung weit¬ 
gehende individuell© Verschiedenheiten. Insbesondere steht die Stelle A., 
in keinen näheren Beziehungen zur Makula, so dafs ihre Ausschaltung zu 
einer besonders schweren Schädigung des Sehaktes führte. Im Gegenteil 
kann gerade sie leichter als irgend eine andere, gleich grofs© Stelle der 
Sehrinde ohne irgend erhebliche Störung des Sehaktes ausgeschaltet werden. 
Die nach Ausschaltung von Teilen der Sehephäre eintretenden Seh¬ 
störungen sind nach H. nicht Ausdruck von „Seelenblindheit“, d. h. von 
Verlust der optischen Erinnerungsbilder, sondern sie sind durch Herab* 
Setzung der Lichtempfindlichkeit, des Farbensinnes und des Ortssinnes 
der Sehorgane zu erklären. Diese Funktionsschwäch© tritt (beim Hunde) 
abgesehen von gewissen individuellen Verschiedenheiten, ausnahmslos 
am stärksten in den oberen lateralen und am schwächsten in den unteren 
medialen Abschnitten des Gesichtsfeldes hervor, derart, dafs die medialen,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.