Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Eduard Hitzig: Physiologische und klinische Untersuchungen über das Gehirn. Gesammelte Abhandlungen. Teil I: Untersuchungen über das Gehirn. Teil II: Alte und neue Untersuchungen über das Gehirn. Berlin, K. Hirschwald. 1904. 1046 S. mit 1 Taf. und 320 Abbild. im Text
Person:
Nagel, W. A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32586/1/
Literaturbericht. 
103 
G. T. Ladd. Brief Critique of „Psycho-Physical Parallelism“. Disc. Mini. 
N. S. 12 (47), 374—380; 1908. 
Dor psychophysische Parallelismus hat in der letzten Zeit manch 
scharfen Kritiker gefunden, zu denen sich demnächst auch Ladd mit einem 
gTöfseren Werk gesellen wird Einstweilen schickt er eine Skizze seines 
Feldzngsplanes dem Buch als Vorläufer voraus. Alle Tatoachen, auf die 
jede THöorie des Verhältnisses zwischen Leib und Seele sich stutzt, sind 
Bestandteile des Bewußtseins der inneren Erfahrung. Sie sind unter sich 
nicht nur durch zeitliche Aufeinanderfolge sondern auch durch kausale Be¬ 
ziehungen verbunden. Der entwickelte und gesunde Menschenverstand 
unterscheidet von selbst eine Reihe von Erscheinungen, welche er dem 
Ich zuweist und eine zweite Reihe, welche er auf Objekte, speziell auf den 
Körper bezieht. Ich und Objekte sind Realitäten. Zwischen dem Ich oder 
4er psychischen Reihe und dem Körper oder der Reihe der körperlichen 
Vorginge bestehen tatsächlich wechselseitige Einwirkungen. Der psycho¬ 
physische Parallelismus leugnet diese Wechselwirkung und behauptet die 
Empirie überschreitend eine Parallelität, welcher die Tatsachen entschieden 
widersprechen. Die wissenschaftliche Beobachtung zeigt dagegen ein 
unendlich verwickeltes Netzwerk von Beziehungen zwischen Leib und 
Seele, die sie als getrennt bestehen läfst. Di© Philosophie erst findet für 
sie di© höhere Einheit, das Band, im Sein des Kosmos. So klingt dieser 
.Angriff auf den Parallelismus monistisch aus und Ladd kommt damit, wie 
ums scheint, auf dieselben Gedanken hinaus, wie Paulbbk und die meisten 
anderen Vertreter des Parallelismus (vgl. Busse, Geist und Körper, Leib 
und Seele 8. 180—182) und man begreift dann nur nicht, weshalb er gar 
so heftig gegen dies© Hypothese ankämpft und sie als unintelligible, 
inadäquate, plainly Ms© bezeichnet. M. Owmbb (Ingolstadt). 
Eduard Hitzig. Physiologische ui kiimlsehi Untersuchungen iber das Gehirn. 
Gesammelt© Abhandlungen. Teil I: Untersuchungen Uber das Gehirn. 
Teil II: Alte und neue Untersuchungen über das Gehirn. Berlin, 
K. Hirschwald. 1904. 1046 8. mit 1 Taf. und 320 Abbild, im Text. 
In dem Augenblick, wo der um die Physiologie des Gehirns so 
überaus verdiente Forscher, der Sehkraft fast völlig beraubt, sich zur wohl¬ 
verdienten Ruhe zurückzieht und „das Messer, die Feder und das Schwert 
aus der Hand legt“, erscheinen sein© physiologischen und klinischen Unter¬ 
suchungen Über das Grofshirn in einem umfangreichen Sammelband, reich 
mit Abbildungen ausgestattet und mit zahlreichen Anmerkungen zu den 
einzelnen Abhandlungen versehen. Jedem, der sich für das durch di© 
klassisch© Untersuchung über di© elektrische Erregbarkeit des Grofshirns 
(1870 gemeinsam mit G. Fritsch ausgeführt und publiziert) erschlossene 
Gebiet der Himrindenphysiologie interessiert, wird die Sammlung der in 
verschiedenen physiologischen und psychiatrischen Zeitschriften zerstreuten 
Arbeiten willkommen und nützlich sein. Die Zusammenstellung der 
experir^entellphysiologischen und klinischen Untersuchungen Hitzigb läfst 
die Entwicklung seiner Anschauungen über die Physiologie des Grofshirns 
'besonders klar hervortreten. Ein Teil der im, vorliegenden Band© vereinigten
        

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