Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentelle Untersuchungen zur Associationslehre
Person:
Schmidt, Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32578/1/
65 
(Aus dem psychologischen Institut der Universität Würzburg.) 
Experimentelle Untersuchungen zur Associationslehre. 
Von 
Friedrich Schmidt. 
Im dritten und fünften Capitel der Schrift von Thumb und 
Marbe : „Experimentelle Untersuchungen über die Psycho¬ 
logischen Grundlagen der Sprachlichen Analogiebildung“ 
(Leipzig 1901) sind Versuche mitgetheilt, bei welchen dem Be¬ 
obachter Verbalformen zugerufen wurden, und er im Allgemeinen 
die Aufgabe hatte, mit irgend einem gesprochenen Worte zu 
reagiren. Die Reactionszeiten wurden dabei vom Versuchsleiter 
mit Hülfe der Fünftelsecundenuhr1 gemessen. 
In den Fällen, wo als Reizworte Infinitive gewählt wurden 
(hier war die Wortform, mit denen die acht Beobachter reagiren 
sollten, gänzlich in ihr Belieben gestellt), ergab sich, dafs auf die 
zugerufenen Infinitive mehr mit Substantiven und Verben als 
mit anderen Wortklassen reagirt wurde. Auch zeigten sich bei 
diesen Versuchen sogenannte gegenseitige Reactionen. So 
reagirten z. B. sechs Beobachter auf nehmen mit geben und 
vier Beobachter auf geben mit nehmen. Je öfter ein und 
dieselbe Reaction bei verschiedenen Beobachtern durch ein und 
dasselbe Reizwort ausgelöst wurde, je „geläufiger“ sie demnach 
war, desto schneller pflegte sie im Allgemeinen zu erfolgen. Das 
arithmetische Mittel der Dauer der bevorzugtesten Reactionen 
war 1,53 Secunden, jenes der nächstbevorzugten Reactionen 1,70, 
und das entsprechende Mittel für die übrigen Reactionen betrug 
1,95 Secunden. In den Fällen, bei denen Reiz- und Reactions- 
wort gleichen Stammes waren, zeigte sich keine irgendwie aus¬ 
gezeichnete Associationszeit. 
In einem zweiten Theile der Versuche wurden vier Be¬ 
obachtern der Indicativ Präsentis und Präteriti sowie das Parti- 
1 Die Benutzung der Fünftelsecundenuhr, die sich auch in der Arbeit 
von Mayeb und Orth: „Zur qualitativen Untersuchung der Association“ 
(diese Zeitschr. 26 (1901) S. Iff.) bestens bewährt hat, reicht für derartige 
Untersuchungen vollständig aus. Vgl. Thumb und Marbe a. a. O. S. 18 und 19. 
Zeitschrift für Psychologie 28. 5
        

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