Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Emil Bullaty: Das Bewußtseinsproblem erkenntnißkritisch beleuchtet und dargestellt. Arch f. systemat. Philos. 6 (1), 63-85; (2), 176-209. 1900
Person:
Cohn
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32571/1/
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Literaturbericht. 
dieser Hypothesen. Wenn man emotionelle Werthgefühle annimmt (als 
verschieden von Organempfindungen und Graden der Lust und Unlust), 
so wird man zu dem Schlufs geführt, dafs die Ausdehnung dieser Allge¬ 
meinzustände über verschiedene Sonderzustände zunimmt mit der relativen 
Bedeutungslosigkeit der Lust-Unlustelemente und der Absonderung der 
organischen oder motorischen Elemente. Eine Analyse typischer Phasen 
von Gemüthsbewegungen stimmt hiermit überein. Dafs es ein emotionelles 
Gedächtnifs gebe, ist vielfach ohne Weiteres angenommen worden. Von 
der modernen Elemententheorie wird die Existenz eines solchen Gedächt¬ 
nisses dagegen geleugnet. Der Verf. verlangt, dafs man unterscheide 
zwischen Gedächtnifs im Sinne einer willkürlichen Erinnerung und Ge¬ 
dächtnifs im Sinne blofsen Wiedererkennens. Die Existenz eines emotio¬ 
nellen Gedächtnisses in letzterem Sinne hält der Verf. für sicher. Er be¬ 
richtet aus seiner eigenen Erfahrung einen Fall, wo ihm plötzlich ein 
besonderer emotioneller Ton bewufst geworden sei; er habe trotz eindring¬ 
lichem Suchen keine Vorstellungen entdecken können, die hierfür hätten 
verantwortlich gemacht werden können. Das bei der Wiederbelebung von 
Vorstellungen geltende Gesetz, wonach das Allgemeinere vor dem Specielleren 
bewufst wird, gilt auch auf dem Gebiet des emotionellen Gedächtnisses. 
Lust und Unlust, ihrer besonderen Natur nach, können nicht vorgestellt 
werden; aber eine relativ permanente Gruppe von Instinktgefühlen kann 
vorgestellt werden. Um dies theoretisch verständlich zu machen, braucht 
man nur die Existenz einer „dynamischen Constanten“ in der Gemüths- 
bewegung anzunehmen ; eine vorgestellte Gemüthsbewegung ist ein System 
von Zeit- und Intensitätsbeziehungen zwischen organischen Empfindungen. 
Max Meyer (Columbia, Missouri). 
Emil Bullaty. Das Bewufstseinsproblem erkenntnifskritisch beleuchtet und 
dargestellt. Arch. f. systemat. Philos. 6 (1), 63—85; (2), 176—209. 1900. 
Die Phänomenalität der „Aufsenwelt“ hat nichts mit einer gröfseren 
Unmittelbarkeit des psychischen Seins zu thun, die Psychologie als empirische 
Wissenschaft kann demnach auch die Grundfragen der Philosophie nicht 
lösen. Die „Aufsenwelt“ oder physische Welt ist freilich vom Bewufstsein 
untrennbar, aber umgekehrt ist eben auch das Bewufstsein nur Bewufstsein 
dieser physischen Welt. Der Gegensatz von Innen- und Aufsenwelt liegt 
innerhalb des Bewufstseins, er beruht auf dem Gegensatz von Passivität 
und Activität, die aber nie ohne einander, sondern stets nur mit einander 
verbunden auftreten. Der Gegensatz wird weiter auf das Gebiet des Be¬ 
wufstseins inhaltes hinübergespielt nnd daraus abgeleitet, „dafs der Inhalt 
der Erscheinungswelt eben nur indem Bewufstsein des Gegen¬ 
satzes einer Körperlichkeit und Thätigkeit sich erschöpft 
(182). Derselbe Gegensatz findet sich weiter in dem anderen subjectiver 
Gefühle und objectiver Empfindungen wieder. „Der Gegensatz von 
einander untrennbarer subjectiver Gefühle und objectiver Empfin¬ 
dungen stellt sich uns somit als die sich selbst erfassende, er¬ 
greifende physische Erscheinung dar“ (191). Da wir Körperlich¬ 
keit und Thätigkeit stets nur in ihrem Gegensätze wahrnehmen, so sind 
sie ohne existentiale Gültigkeit. „Alle unsere Betrachtungen, die wir über
        

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