Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Daniel Paul Schreber: Denkwürdigkeiten eines Geisteskranken nebst Nachträgen und einem Anhang über die Frage: "Unter welchen Voraussetzungen darf eine für geisteskrank erachtete Person gegen ihren erklärten Willen in einer Heilanstalt festgehalten werden?" Leipzig, Mutze. 1903 516 S.
Person:
Schultze, Ernst
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32535/1/
Literaturbericht. 
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müssen, wie wenig die übliche Therapie hilft, und der endlich doch geheilt 
wurde. Aber dieser Umstand erhöht ganz besonders die praktische Brauch¬ 
barkeit des Buches, zumal der Verfasser, ein kritischer Kopf, über eine 
klare Darstellungsgabe verfügt. 
Neben der Anleitung zur rechten Lebensführung kommt es bei der 
Therapie der Neurastheniker vor allem auf eine Regelung der Tätigkeit 
an; die Arbeit soll nützlich, zweckvoll und möglichst notwendig sein; am 
meisten eignen sich Gärtnerei und Tischlerei, wie eingehend begründet 
wird. Ernst Schultzs (Greifswald). 
Daniel Paul Schrebeb. Denkwürdigkeiten eines Geisteskranken nebst Hach- 
trigen und einem Anhang über die Frage : „Unter welchen Toranssetinngen 
darf eine für geisteskrank erachtete Person gegen ihren erklärten Villen 
in einer Heilanstalt festgehalten werden?“ Leipzig, Mutze. 1903.516 S. M.8,00. 
Nervenkrank nennt sich der Verfasser, und er versucht auch selbst 
mit Heranziehung psychiatrischer Literatur den Nachweis zu erbringen, 
dafs er nervenkrank, nicht geisteskrank ist. 
In der Tat leidet er aber an einer ausgesprochenen Geisteskrankheit, 
an Paranoia; daran wird auch der Nichtpsychiater bei der Lektüre des 
Buches nicht im mindesten zweifeln, auch ohne dafs er den Umstand ver¬ 
wertet, dafs Verf. nach seiner Schilderung lange Jahre in Irrenanstalten 
untergebracht war. 
Es ist verständlich, wenn Psychiater den Schriften von früher in 
Anstalten untergebrachten Personen, die sich mit psychiatrischen Fragen 
beschäftigen, skeptisch gegenübertreten. Diese Skepis ist aber hier nicht 
angebracht. Nicht nur, dafs Verf. sich einer möglichst grofsen Objektivität 
befleifsigt, schildert er uns seine Erfahrungen, seine wahnhaften Erlebnisse 
aufserordentlich plastisch, und wir gewinnen einen um so klareren Einblick 
in sein wenn auch abnormes geistiges Leben, als er ein Mensch von grofser 
Verstandesschärfe ist. Er war seither Senatspräsident beim Dresdener 
Oberlandesgericht, und dafs er ein vorzüglicher Jurist ist, das ergibt sich 
insbesondere aus dem Anhang, in dem psychiatrisch rechtliche Fragen 
erörtert wurden. 
Wer sich für die Psychologie der Paranoiker interessiert, der sei auf 
das vorliegende Buch hingewiesen, das uns über die Entstehung und den 
Ausbau eines Techt komplizierten Wahnsystems einen Aufschlufs gibt, w'ie 
wir ihn nur selten von unseren Kranken erfahren. 
Ernst Schultzs (Greifswald). 
G. P. BAvon. Beitrag xor Diagnose and Lehre vom Kretinismus unter be¬ 
sonderer Berücksichtigung der Differentialdiagnose mit anderen Formen von 
Zwergwuchs nnd Schwachsinn. Würzburg, A. Stübers Verlag. 1903. 120 8. 
Mk. 4,00. 
Auch die vorliegende Arbeit stammt aus der Universität Würzburg, 
der wir schon manche wichtige Beiträge zur Lehre vom Kretinismus ver¬ 
danken; und das erscheint begreiflich; finden sich doch in Unterfranken 
viele Kretins. 
Verf. gibt eine ausführliche Schilderung der Symptome des Kretinis¬ 
mus. Als die wichtigsten sind folgende zu bezeichnen: Fehlen der Schild-
        

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