Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Richard Hohenemser: Versuch einer Analyse der Scham. Archiv für die gesamte Psychologie 2, (2 u. 3), 299-323. 1904
Person:
Groethuysen, B.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32516/1/
Literaturbericht. 
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den bedeutungslosen Assoziationen u. a. die ataktischen Bewegungen, den 
mechanisch gewordenen bedeutungsvollen die Instinkte korrespondieren. 
Ref. steht, ohne verkennen zu wollen, dafs die Arbeit mancherlei 
•wertvolle Anregung bietet, solch einer summarischen Einteilung der Asso¬ 
ziationen nicht sympatisch gegenüber. Die Wissenschaft mufs sich seiner 
Meinung nach zunächst die Aufgabe stellen, die Assoziationen unter den 
verschiedensten Bedingungen experimentell zu studieren. Sind die Tat¬ 
sachen genügend geklärt, so müssen sich, wie in der Zoologie und Botanik 
die sachgemâfsen Einteilungen ganz von selbst ergeben. Übrigens enthält 
die von Claparède zitierte Arbeit von Mayeb und Obth eine exakte Unter¬ 
suchung einer eng begrenzten Klasse von Assoziationen und eine auf die 
Untersuchungsresultate gegründete Einteilung dieser Assoziationen, nicht 
aber, wie Claparède anzunehmen scheint, einen neuen Vorschlag zur Ein¬ 
teilung der Gesamtheit der Assoziationen. Dafs es nicht gleichgültig ist, 
ob der Beobachter ein Bewufstsein der logischen Form der Assoziation 
hat oder nicht (Claparède, S. 340) ist wohl auch für Mayer und Orth nicht 
zweifelhaft gewesen. Wenn sie diesen Umstand in ihrer Einteilung nicht 
berücksichtigt haben, so lag dies einfach daran, weil bei den fraglichen 
Assoziationen jeneB Bewufstsein laut Versuchsergebnis nie vorhanden war. 
K. Marse (Würzburg). 
C. S. Sherrington. Experiments oi the Taine of Tascnlar and Yisceral Factors 
for the BoneslS Of Emotion. Proceed, of the Royal Society 66, 390- 403. 
1900. 
Nach den Anschauungen von James, Lange, Sbrgi und Ribot soll der 
Gefühlston, der mit bestimmten Sinneseindrücken und Vorstellungen ver¬ 
bunden ist, nicht diesen als solchen zukommen sondern erst sekundär durch 
Organempfindungen bedingt sein, die durch jene Sinneseindrücke und Vor¬ 
stellungen ausgelöst werden; in der Weise, dafs die letzteren die Herz¬ 
tätigkeit, Atmung, den Gefäfstonus usw. verändern, welche Änderungen 
dann als Gefühle, wie Furcht, Zorn, Freude, Zuneigung, zum Bewufstsein 
kommen. 
Diese Hypothese, die im allgemeinen wenig Anklang gefunden hat, 
unterwirft Sh. einer experimentellen Prüfung. Er durchtrennte bei jungen 
Hunden das obere Halsmark, so dafs aufser den von Kopfnerven stammenden 
Fasern alle Nerven der Brust-, Bauch- und Beckenorgane aufser Verbindung 
mit dem Gehirn gesetzt wurden. Derartig operierte Hunde, die monatelang 
am Leben gehalten wurden, zeigten die erwähnten Affekte noch in derselben 
Weise, wie vor der Halsmarkdurchschneidung. Auch nach später hinzu- 
gefügter Durchtrennung beider Nervi vagi in der Höhe des Ringknorpels 
bleibt das psychische Verhalten der Tiere unverändert. Diese Ergebnisse 
sprechen alBO gegen die obengenannte Hypothese. P. Jensen (Breslau). 
Richard Hohenemseb. VeriUCh einer lttljie der Scbäm. Archiv für die getarnte 
Ftychologie 2, (2 u. 3), 299—332. 1904. 
Scham ist ein Zustand, nicht ein Gefühl. Das Gefßhl als solches ist 
eine Abstraktion, es kommt in Wirklichkeit niemals für sich allein vor; 
die Scham dagegen ist eine bestimmte Spannung der ganzen Seele. Der
        

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