Bauhaus-Universität Weimar

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Litûraturbericht. 
C. J. France. Tbs SaabUtg llipiÜM. Am. Journ. of Psychol. U (3), 364—407. 
1902. 
Die Spielerleidenschaft in historischer and anthropologischer Be¬ 
leuchtung macht Verf. zum Gegenstand seiner Untersuchung. Der Wert 
dieser ' Untersuchung liegt jedenfalls nicht auf psychologischem Gebiet; 
denn die Analyse der Spielerleidensnhaft fahrt nur bis zu Begriffen wie 
„Hang zu Wagnis und Unsicherheit“, „Gewinnsucht“, Reiz des Glaubens 
ans eigene Glück“ usw. Dafs derartig unbestimmte Ausdrücke nicht ohne 
weiteres zur Erweiterung oder Berichtigung eines wissenschaftlichen 
Begriffssystems verwendet werden können, dürfte kaum bestritten werden. 
Eine Umfrage, wie sie Framcr veranstaltet hat, um die Verbreitung des 
Hangs zu Wagnissen im täglichen Leben zu bestimmen, ergibt ebenfalls 
nur ganz unbestimmte Resultate. Das manche Menschen gern etwas 
riskieren, andere nicht; dafs manche allgemein für Glückspilze, andere 
für Pechvögel gehalten werden, dafs derjenige, dem ein unsicheres Unter¬ 
nehmen geglückt ist, mehr Wagemut besitzt als ein anderer, das sind doch 
so allgemein bekannte Tatsachen, dafs derjenige sich kaum ein Verdienst 
erwirbt um die Erweiterung unserer Kenntnisse, der diese Tatsachen einfach 
konstatiert, ohne sie allgemeineren Zusammenhängen des Seelenlebens 
einzuordnen. Nur ein Versuch einer solchen Einordnung wird von Frarcz 
gemacht, wenn er eine Kurve konstruiert, welche zeigt, wie der Wagemut 
von Knaben und Mädchen mit zunehmendem Alter in entgegengesetzter 
Richtung sich verändert. 
Gröfseren Wert als die psychologische Analyse scheint dem Ref. die 
ethische Würdigung des Hangs zum Hasardspiel, wie sie weiterhin versucht 
wird, beanspruchen zu dürfen. Die Bemerkung, dafs der leidenschaftliche 
Spieler nicht in dem Gefühl der Ungewifsheit gegenüber dem Wirken des 
Zufalls sondern in dem Vertrauen auf seinen Stern und in einer damit 
zusammenhängenden Steigerung seines Selbstbewufstseins den Reiz des 
Spieles empfindet, ist wohl der Beachtung wert. Der Hinweis auf den 
Zusammenhang des Selbstvertrauens im Ungewissen, des Glaubens an eine 
übernatürliche fürsorgende Lenkung des eigenen Schicksals und der prak¬ 
tischen Tüchtigkeit eines Menschen, der Hinweis auf die entwicklungs¬ 
geschichtliche Bedeutung des Gefühls der Sicherheit in unsicherer Lage 
ist jedenfalls nicht wertlos für die Beurteilung der Neigung zum Hasardspiel. 
Dürr (Würzburg). 
Oskar Pfister. Die Willeaifreiheit Eine kritUch-gystematigelie Untersacbaag. 
Berlin, Georg Reimer. 1904. XII und 405 S. Mk. 6,00. 
Veranlafst durch ein Preisausschreiben der Haager Gesellschaft 
zur Verteidigung der christlichen Religion unterzog Prisraa 
das Freiheitsproblem einer ebenso umfassenden wie eindringenden Unter¬ 
suchung. 
In der Einleitung prüft er die verschiedenen Freiheitsbegriffe und 
stellte endlich zwei Hauptgruppen fest: Freiheit im rein dynamischen 
Sinne — gewöhnlich psychologische Freiheit genannt — und Freiheit im 
praktischen Sinn. Als Subjekt der Freiheit erkennt er die Persönlichkeit 
Nachdem er Karts Stellung zu der Frage in ihrer ganzen Entwicklung
        

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