Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Georg Meyer: Die wissenschaftlichen Grundlagen der Graphologie. Jena, Fischer. 1901. 81 S. Mit 31 Tafeln
Person:
Klages
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32478/5/
Literaturbericht. 
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änderung bewirkt wird. 80 sind Gröfse, Druck und Geschwindigkeit leicht 
zu modifizieren, denn ihre Modifikation erfordert eine . . . auf sämtliche 
Schriftteile gerichtete Erhöhung oder Hemmung des motorischen Antriebes. 
Darf dieser Antrieb jedoch nur ein partieller sein, wie bei der Änderung 
der AusdehnungsVerhältnisse, so ist die Aufgabe schwieriger.“ „2. Der 
Einflufs aller irgendwie mehr bewufsten Abänderungsbestrebungen auf die 
Schrift mufs ein um so gröfserer sein, je mehr überhaupt die Aufmerksam¬ 
keit auf die Schreibtätigkeit als solche gerichtet ist.“ Aus letzterem folgt 
durch einen sehr einfachen Gedankengang, dafs die Kleinbuchstaben 
automatischer als die Mittel- und Langbuchstaben; die Haar- und Auf¬ 
striche automatischer als die Grundstriche ausgeführt werden, weswegen 
sie denn der bewufsten Beeinflussung bei weitem die grölsere Schwierigkeit 
entgegensetzen. 
„Grunderfordernis nun für ein willkürliches Bedingtsein einer hand¬ 
schriftlichen Eigenart ist es, dafs die Ursache dauernd wirksam sei.“ Von 
solchen dauernd wirksamen Strebungen führt Mbtkb als besonders wichtig 
an : Schönheitssinn, die Sucht Aufsehen zu erregen, Sorgfalt und Ordnungs¬ 
liebe, zur Schau getragenes Selbstbewufstsein. Unter teilweiser Anlehnung 
an unsere Theorie vom optischen Leitbilde erklärt er solcherart 
als mehr willkürlich bedingt die zumal ästhetischen Formbesonderheiten 
der Buchstaben, weitgehende Regelmäfsigkeit der Schriftzüge, mancherlei 
Kürzungen, den Neigungswinkel in gewissen Fällen, die HöhenauBdehnung 
der Anfangsbuchstaben und die Strichbreite, soweit sie nicht als unwill¬ 
kürliche Folge des Schreibdrucks zu betrachten ist. Die bezüglichen Ab¬ 
leitungen werden mit grofser Umsicht und Besonnenheit durchgeführt und 
verbreiten Licht über den Zusammenhang auch komplizierterer Schrift- 
eigenschaften mit der Seele des Urhebers. 
Alle Sätze und Ableitungen Metbbs werden durch mustergültig aus¬ 
geführte Handschriftenfaksimiles illustriert. Seinen Ausführungen sind 
nicht weniger als 31 Tafeln mit insgesamt 121 Klichés beigegeben. Die 
Auswahl mufs eine überaus glückliche genannt werden. 
Wir hegen die Zuversicht, dafs kein geschulter Psychologe, der dies 
Werk mit gutem Willen zur Hand nimmt, fürder an der Möglichkeit einer 
streng wissenschaftlichen Behandlung graphologischer Probleme zweifeln 
wird. Klaqks (München). 
Mabtin Mates. Ober die BecinlhiMwg der Schrift durch des Alkohol. 
Kraepelin» Psychologische Arbeiten S (4), 535—686. 1901. 
Die KsAEPELiKsche Schriftwage, die von Gboss und Dibhl bereits an 
Gesunden und Geisteskranken angewandt wurde, hat M. zur Prüfung der 
Alkoholwirkung herangezogen. Es ergab sich, dafs der Alkohol die Schreib¬ 
bewegung verlangsamt, den Schreibweg unbeeinflufst läfst und die Druck¬ 
schwankungen innerhalb der 8chriftzeichen verlangsamt und verringert. 
Kleine Alkoholgaben verkürzen die Pausendauer und steigern den Druck, 
grofse Gaben verlängern die Pausen, während der Druck sinkt. 
Wkygahdt (Würzburg). 
20 
Zsitachrift für Psychologie S7.
        

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