Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Georg Meyer: Die wissenschaftlichen Grundlagen der Graphologie. Jena, Fischer. 1901. 81 S. Mit 31 Tafeln
Person:
Klages
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32478/1/
Literaturbericht. 
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Verschlechterung auf dem lahmenden Einflufs der allgemeinen Muskel- 
ermfidung. Am Nachmittag nach der Hauptmahlzeit erschien, wesentlich 
auf Grund vergröfserter Hebungen, die Muskelleistung gröfser als vor¬ 
mittags. 
Durch Übung nimmt die Muskelleistung anfänglich rasch, dann immer 
weniger zn, doch tritt bald durch den täglichen Übungsverlust eine nahezu 
vollständige Kompensation ein. Die Gröfse der ErmQdungswirkung hangt 
ab von der Gröfse der in der Zeiteinheit gelieferten Arbeit. Die wechselnde 
Form der Ermüdungskurve steht nicht nur unter dem Einflufs persönlicher 
Eigenart, Bondern auch noch dem anderweitiger Vorbedingungen. Übung 
vermehrt und erhöht die Hebungen, Ermüdung vermindert sie nach Zahl 
und Gröfse und rundet einen etwa vorhandenen spitzen Gipfel ab. Durch 
Antrieb werden einzelne Hebungen, besonders im Beginn oder mit dem 
Eintritt deutlicher Ermüdung, erhöht. Anregung bewirkt ein allmähliches 
Steigen der Hebungen zu Beginn der Kurve. Psychomotorische Erregung 
vermehrt die Hebungen und verlängert infolgedessen die Kurve, wahrend 
diese durch Hemmung verkürzt zu werden scheint. Bei einem leichten 
Gewicht oder langsamen Rhythmus kann sich bis zu gewissem Grad ein 
Gleichgewicht zwischen Kraftverbrauch und Erholung einstellen. 
Durch Coffein wird die Muskelleistung gesteigert, vor allem infolge 
der Erhöhung der einzelnen Hebungen. 
Alkoholgaben zwischen 15 und 60 g steigern die Muskelleistung zu¬ 
nächst deutlich, bald aber schwindet diese Wirkung wieder. Sie beruht 
fast ganz auf einer Vermehrung der Hebungen, wogegen die Hubhöhen 
nur zu Beginn des Versuchs eine minimale Erhöhung erkennen lassen. 
Weyoakdt (Würzburg). 
Gboro Mkykk- Die viiaonichäftliehoB Grundlagen der Graphologie. Jena, 
Fischer. 1901. 81 S. Mit 31 Tafeln. 
Die Psychologie des 19. Jahrhunderts läfst zwei Richtungen erkennen 
Die eine, aufs engste mit naturwissenschaftlichen Spekulationen verquickt, 
nimmt ihren Ausgang von der sog. Psychophysik und zielt im wesentlichen 
auf eine möglichst exakte Erforschung der generellsten Bewufstseins- 
tatsachen. Sie darf sich bleibender Resultate rühmen und hat im Kreise 
der Fachgelehrten heute die noch fast unumstrittene Herrschaft. — Die 
zweite, ältere entsteht zugleich mit jener grofsen Epoche des deutschen 
Schrifttums, die man gemeinhin die romantische nennt, und ist ursprünglich 
getragen von dem metaphysischen Bedürfnis, den Sinn der Erscheinungs¬ 
welt zu deuten. In bezug auf die Natur des Menschen nimmt sie die Form 
der Physiognomik an und zeigt ein Hauptinteresse für die an sich 
unbewufsten Dispositionen und Tendenzen, kraft deren das allgemein 
Psychische zur psychischen Persönlichkeit wird. 
Es ist ein verbreiteter, doch darum nicht weniger ein Irrtum, dafs 
diese zweite Richtung wissenschaftlich unfruchtbar geblieben sei. Wie sehr 
ihr auch jederzeit die leider allzu nahe liegende Vergröberung im Dienste 
praktischer Menschenkennerei geschadet hat: sie vermochte gleichwohl 
eine Fülle wertvollen Materials zu sammeln und weist bedeutende Ansätze
        

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