Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
E. Storch: Der aphasische Symptomenkomplex. Monatsschr. f. Psych. u. Neur. XIII (5), 321-341; (6), 597-622. 1903
Person:
Spielmeyer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32454/1/
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Literaturbericht. 
Àffektion. Die Bahnen des Warme- und Kältesinns liegen wohl Örtlich 
nahe im Tractus antero-lateralis ascend, in der Med. oblongata zusammen, 
es mufs jedoch für diese beiden Sinne eine getrennte zentrale Leitung vor¬ 
handen sein. Umpfbhrach. 
G. Kos i »H Elie merkwürdige Mitrale SUtraag der Geachmackaemptitug. 
Münch, medix. Wochentchr. 51, 833 u. 393. 1904. 
Der jetzt 50jährige Kranke verlor vor 8 Jahren innerhalb weniger 
Monate alle Geschmacksempfindungen. Der Verlust besteht noch hente; 
Zungenspitze, Zungengrund und Gaumenbögen sind gleichmäfisig betroffen. 
Es handelt sich dabei nicht etwa um eine einfache Abstumpfung oder um 
einfache Vernichtung einer oder mehrerer Geschmacksqualitäten, sondern 
um eine totale Perversion der sämtlichen Qualitäten im Bereiche der ganzen 
Geschmackssphäre. Der Geruchssinn ist fast normal. Sonstige nervöse 
Störungen fehlen, Hysterie ist ausgeschlossen. Wie K. nachweist, mufs es 
sich um eine zentrale Geschmacksstörung handeln. Der Kranke ist alter 
Luetiker, hat jetzt Arteriosklerose mit Schwindelanfällen. Die Erinnerung 
für Geschmacksempfindungen ist vorhanden, Pat. weifs genau, wie alles 
schmecken mufs. Die der Geschmacksempfindung dienenden Gehirngebiete 
werden überhaupt nicht mehr erregt, oder sie sind nicht imstande, die von 
der Peripherie kommende Erregung richtig auszulegen. „Die Analogie mit 
der Worttaubheit oder der Bindenblindheit scheint mir nicht verkennbar, 
und die Annahme einer kortikalen Geschmacksstörung auf luetischer Basis 
nach Lage des Falles das Wahrscheinlichste.“ Der Kranke ist bisher nicht 
zur Obduktion gekommen. Umffbnbach. 
a. Knapp. Rin Fall tob motorischer nid sensibler Hemiparese durch KoyoItw- 
rerletnng des Gehirns. Münch, medix. Wochentchr. 51, 154. 1904. 
Die Kugel drang durch die rechte Schläfe und sitzt jetzt (nach 
Röntgenbild) über dem Felsenbein nahe der SvLvischen Furche in der 
Gegend der rechten Zentralwindung. Es bestehen Störungen sensibler 
und motorischer Art in der linken Körperhälfte. Hier sei nur als in¬ 
teressant hervorgehoben eine Dissoziation der Temperaturempfindung. 
Während Kältereize auch mit der linken Körperhälfte normal empfunden 
werden, werden Verbrennungen nur am Rumpf normal, am linken Arm 
und Bein „eiskalt“ gefühlt. Es ist daraus zu schliefsen, dafs auch die 
zentralen Bahnen für Wärme- und Kälteempfindung getrennt verlaufen 
und ieoliert geschädigt werden können. Bei starken Wärmereizen treten 
die Bahnen, welche die Kälteempfindung vermitteln, vikariierend ein. 
Umppenbach. 
E. Storch (Breslau). Der aphasischo gjmptomoikomplex. MoncUtschr. f. 
Psych, u. Neur. XIII (5), 321-341; (6), 597—622. 1903. 
Auf Grund seiner psychologischen Betrachtungen über die Stereopsyche, 
Glossopsyche und ihren Beziehungen zu den pathopsychischen Rinden¬ 
systemen versucht Storch einen Überblick über die aphasischen Er¬ 
scheinungen zu geben. 
Die Glossopsyche ist einXeuronsystem, das eingeschaltet liegt zwischen
        

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