Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Z. Oppenheimer: "Bewußtsein-Gefühl." Eine psycho-physiologische Untersuchung. Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens, Heft 23. 1903. 75 S.
Person:
Witasek
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32450/1/
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Literaturbericht. 
und Vollender der romantischen Naturphilosophie des 19. Jahrhunderts“ 
geworden (S. 69). 
In einer Reihe von Beilagen werden die Ausführungen der Rede er¬ 
gänzt. Dazu treten persönliche Erinnerungen, welche das menschliche Bild 
deB Philosophen mit leichten, feinen Strichen deutlich vor Augen stellen. 
Erwähnt seien noch die Ausführungen über die Beziehungen Fechjikbs 
zum Spiritismus. Nur widerwillig hat Fechser sich dem Eindruck der 
SLinsschen Experimente, welche damals so grofses Aufsehen machten, 
gefügt. Hätte er die späteren Aufklärungen über die Persönlichkeit dee 
Experimentators erlebt, „so würde er wohl bei Beinern anfänglichen Urteil, 
dafs es sich um Taachenspielerkunststücke handle, stehen geblieben sein“ 
(S. 90). Mabtius (Kiel). 
Z. Oppenheimer. „Be wufitzeln 6efühl.“ Eil« pijrcho - physiologische ültsr- 
ndling. Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens, Heft 23. 1903. 76 8. 
Die vorliegende Abhandlung ist im grofsen und ganzen eine neuerliche 
Wiedergabe des Hauptgedankens, den der Verfasser bereits in seinem Buche 
„Physiologie des Gefühls“, Heidelberg 1899, verarbeitet hat. Das Thema, 
das ihn beschäftigt, ist, wie er in der Einleitung angibt, die Frage, wie 
uns die Sinneseindrücke bewufst werden und wie die Vorgänge beschaffen 
sind, aus welchen sich bewufste Vorstellungen entwickeln. 
Seine Antwort ist folgende. Die Vorstellungen entstehen in der Gro߬ 
hirnrinde, und im Thalamus werden sie bewufst. Gefühle und Bewufstsein, 
genauer Bewufstwerden sind identische Ausdrücke zur Bezeichnung der 
Vorgänge im zentralen Höhlengrau. „Beide drücken aus, dafs Verände¬ 
rungen chemischer Art in den Körpergeweben vorhanden sind, welche in 
dem Höhlengrau eine Erregung verursachen. Sie unterscheiden sich nur 
voneinander dadurch, dafs das eine sich ausschliefslich auf die Stoffwechsel¬ 
vorgänge in der Peripherie und in dem zentralen Nervengebiet im all¬ 
gemeinen bezieht, während das andere auf die Ursachen dieser chemischen 
Vorgänge Rücksicht nimmt.“ Bezüglich der Frage, wie aus dem chemischen 
Vorgang ein Gefühl wird, meint der Verf. schliefslich : „Wer nicht befangen 
von den Begriffen des Geistes und der Materie auch den Versuch aufgibt, 
die Gegensätze zu vereinigen, indem er die geistigen Vorgänge für ein 
Ereignis erklärt, das von zwei Seiten, der psychischen und der physischen, an¬ 
geschaut werden könnte, wer einsieht, dafs das Prinzip des psycho-physischen 
Parallelismus zwar dem Hirnvorgang seine volle Berechtigung läfst, aber 
zu seiner Erklärung zwei Wesen, welche Geist und Materie sind, nötig hat, 
wer alle Spekulationen vermeidet, für den ist das Gefühl der Ausdruck für 
die Vorgänge, welche im Höhlengrau ablaufen, wenn es einer Änderung 
Seines Zustandes unterworfen ist. Es sind dieser Auffassung gemäfs nicht 
die den Thalamus zusammensetzenden Bestandteile, welche den Effekt 
hervorbringen, indem sie, wie man geglaubt hat, dem Geist als Werkzeug 
dienen, oder aus sich Geist erzeugen, sie sind nur das Mittel, um eine 
aktuelle Veränderung zu erzeugen, deren Bedeutung wir auf dem Wege 
der Erfahrung als eine Folge der Reizung von Organen des Körpero kennen 
gelernt und als Gefühle, Bewufstsein bezeichnet haben.“ — Aber wer sollte
        

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