Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
S. Bell: A Preliminary Study of the Emotion of Love between the Sexes. Am. Journ. of Psychol. 13 (3), 325-354. 1902
Person:
Dürr
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32435/1/
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Literaturbericht. 
Vorzeigen des Gegenstandes in ihrem Bewufstsein innerlich wahr¬ 
genommen habe. 
In den Anssagen der Versuchspersonen findet Okth vieles, was man 
sonst einfach entweder als Vorstellung, als Urteil, Gefühl oder Begehmng 
und dergl. bezeichnete, das er aber als etwas Neues, Eigenartiges, Dankles, 
Unanalysierbares ansprechen zu müssen meint, zum Teil auf Grund der 
weiteren Aussagen der Versuchsperson selbst, zum Teil auf Grund eigener 
innerer Erfahrung in ähnlichen Gelegenheiten. 
Es ist nun gewifs richtig, dafs wir bei der Analyse unseres jeweiligen 
Bewufstseins in Vorstellungen und dergl. oft des Unbefriedigenden dieser 
Analysen gewahr werden und das Gefühl haben, als sei uns etwas verloren 
gegangen, das Gefühl, „dafs die Bewufstseinstatsachen vielfach von Fransen, 
die sich einer näheren Bestimmung entziehen, im Bewufstsein umgeben 
sind“. Andererseits ist es aber doch noch fraglich, ob man dort, wo dieses 
eigentümliche Psychische sich mit dem Namen einer sonst bekannten Tat¬ 
sache bezeichnen läfst, etwa als Zweifel, Sicherheit, Glaube, Erinnerung 
und dergl., wirklich zur Annahme eines neuen eigenen Tatbestandes ge¬ 
zwungen ist, oder ob es nach den gegenwärtig vorliegenden Nachweisen in 
solchen Fällen nicht vielleicht doch noch korrekter ist, einfach von, wenn 
auch nicht im Vordergrund des Bewufstseins stehenden, vielleicht nur 
rasch vorttberhuschenden, geschweige denn in Worte gekleideten Ur¬ 
teilen etc. zu reden. — Trotzdem aber wird man den Gedanken an die 
Möglichkeit einer „psychischen Chemie“, unter den sich die vorliegenden 
Untersuchungen noch am besten stellen lassen, im Auge zu behalten alle 
Ursache haben —. 
Erwähnt sei noch, dafs die Arbeit durch eine kurze Übersicht der 
historischen Entwicklung der Gefühlspsychologie eingeleitet ist. 
Witasek (Graz). 
S. Bell. A Preliminary Study of the Emotion of Love between the Sex«. 
Am. Jcmrn. of Psychol. 13 (3), 325—354. 1902. 
Bell teilt ein Kapitel aus einem von ihm angekündigten umfang¬ 
reicheren Werk über die Psychologie des normalen Geschlechtslebens mit 
Das Material, das er in diesem Werk verarbeitet hat, entstammt teils seinen 
Beobachtungen, teils den Beobachtungen und Selbstwahrnehmungen anderer, 
die Bell auf Anfrage mitgeteilt wurden. Im ganzen gründet sich seine 
Untersuchung auf 2500 Fälle. Das Hauptresultat, das in der vorliegenden 
Veröffentlichung mitgeteilt wird, ist die Tatsache, dafs das Liebesieben des 
Menschen nicht erst mit der Pubertät, sondern in frühester Kindheit 
beginnt. Unser Autor teilt das gesamte Liebesieben in 4 Perioden ein, 
von denen 3 in das Alter vor der Reife fallen, nämlich eine erste in die 
Zeit zwischen 3 und 8, eine zweite in die Zeit zwischen 8 und 14 Jahren. 
Die dritte Periode ist nach Bell bei den Frauen etwa mit dem 22., bei den 
Männern ungefähr mit dem 26. Jahr abgeschlossen. Auf die beiden ersten 
Perioden geht Verf. etwas näher ein und konstatiert vor allem einen Unter¬ 
schied der Unbefangenheit in der Liebe der frühesten und der späteren 
Kindheit. Ref. konnte übrigens in den BELLSchen Ausführungen nichts
        

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