Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
P. Janet: L'amnésie et la dissociation des souvenirs par l'émotion. Journal de psychologie norm. et pathol. 1 (5), 417-453. 1904
Person:
Giessler
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32139/1/
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Literat ttrberi'-ld. 
einer Erregung eich zu konstituieren. Die Tendern der abstrakten Vor¬ 
stellungen, sich mit konkretem Detail zu fallen, zeigte sich zunächst in der 
Adaptierung beliebiger Worte. Diese bildeten das Skelett für die Inkar¬ 
nation und dienten dazu, das Gefühl von der Idee des Stückes plastischer 
zu machen. Allmählich trat eine gröfsere Sammlung der Elemente ein. 
Ähnliche Gedichte drängten sich auf und halfen beim Reproduktionsakt 
Gibsslbb (Erfurt). 
P. Janet. L’âmnésie et U dissociation des souvenirs par l'émotion. Journal 
de psychologie norm, et pathol. 1 (5), 417—453. 1904. 
In der vorliegenden Abhandlung führt uns Verf. einen neuen Fall 
von emotioneller Amnesie vor, welcher Ähnlichkeit mit einem früher be¬ 
obachteten besitzt. Es handelt sich um eine 23 jährige Hysterische, welche 
an Krisen von Somnambulismus mit Halluzinationen und an einer sehr 
tiefen Amnesie leidet. Ihr Charakter zeigt Abnormitäten : Immer traurig, 
unruhig, unzufrieden mit sich selbst hat sie beständig das Gefühl, dafs sie 
nichts zu Ende führen könne, dafs ihre Aktionen unvollendet und unge¬ 
nügend blieben. Obwohl sehr intelligent und arbeitsam ist sie jedoch un¬ 
fähig etwas zu tun, sobald Personen eich in ihrer Nähe befinden. Doch 
empfindet sie das Bedürfnis, dirigiert und geliebt zu werden. 
Mehrere Male des Tages hat Irene Krisen von Somnambulismus, 
während welcher sie spielt und beständig alle Einzelheiten des Todes ihrer 
Mutter erzählt. Sie hört die Stimme ihrer Mutter, welche ihr befiehlt, sich 
zu ermorden, und sie macht dementsprechend absurde Versuche von 
Selbstmord. 
An Störungen der Sensibilität leidet sie wenig. Wenn sie in Ruhe 
ist, geben die Messungen mit verschiedenen Ästhesiometern auf allen 
Körperteilen fast normale Zahlen. Ebenso sind die Spezialsinne fast intakt. 
Anders verhält sich die Sache nach den grofsen Krisen oder während der 
Perioden sich häufender Halluzinationen. Alsdann Vermehrung der 
Anästhesie der Haut, namentlich auf der rechten Körperseite, Verminderung 
der muskulären Sensibilität, Verengung des Gesichtsfeldes, namentlich beim 
rechten Auge. Auch die viszerale Sensibilität ist alsdann modifiziert: 
Appetitmangel. 
Sie vergifst allmählich, wie ihre Mutter gestaltet gewesen, auch date 
sie bereits gestorben ist, und sie glaubt, dafs jene eines Tages von einer 
Reise zurückkommen werde. Desgleichen weifs sie nichts mehr von den 
arbeitsvollen Nächten, welche sie verbrachte, von den Schulden ihrer 
Familie, von dem unmoralischen Lebenswandel ihres Vaters. Der frühere« 
Daten entsinnt sie sich eher. Entfallen sind ihr auch die Ereignisse nach 
dem Tode ihrer Mutter. 
Janet macht auf das eigentümliche Znsammenfallen der Halluzinationen 
mit Hyperamnesie und Amnesie aufmerksam: Beide entgegengesetzte 
Störungen beziehen sich auf dieselben Gedanken, nämlich auf den Ted 
ihrer Mutter und die ihm zunächst liegenden Ereignisse. 
Verf. suchte die der Kranken entfallenen Erinnerungen während d« 
hypnotischen Schlafes wiederzuerlangen. Er versetzte Ikknb in einen Zustand, 
während dessen sie eine genügende sinnliche Aktivität zeigte, um die
        

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