Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
G. Gerber: Über das religiöse Gefühl. Zeitschrift für Philos. u. philos. Kritik 124 (2.), 173-200. 1904
Person:
Groethuysen
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32117/1/
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Li ter afu röeru 1.1. 
•ine Relieffigur unter Umständen sogar ein stärkeres Freiheitsgeffihl ms 
lösen, als die freistehende Plastik. 
Die Reliefknnst der Antike nnd der Zeit vor Donatello wird nur km 
behandelt. Die Uranfänge primitiver Art (Ägypten), die „grandiose Differen 
Meinung der Masse“ (Parthenonfries), die „frühesten Ansitze zu eis» 
plastischen Perspektive“ (Römisches Relief, z. B. Titnsbogen) mit eher 
kurzen Abschweifung auf du romanische, hauptsächlich an Kapitellen n 
findende Relief werden eingehend genug behandelt, um zu begründen, 
warum der Verfasser erst in Donatello den Vollender dieser Kunstfonn 
erblickt, Aber den hinaus gar keine Steigerung mehr möglich sei. Sehe 
Reliefs sind nach FanCHHinira „Offenbarungen“, die durch keinerlei sachlichen 
Kenntnisse vermittelt werden könnten. Soweit der Autor trotzdem glaubt, 
seine Auffassung kunstwissenschaftlich beweisen zu können, versucht er ee 
im Hauptteil des Buches. Nach seinen Ausführungen hat Donatello „eins; 
und allein“ die plastische Perspektive entdeckt, angewendet und bis ittr 
höchsten Vollendung entwickelt. Im Verhältnis dazu sei seine eminente 
reformatorische Bedeutung für die Freiplastik arm, weil sie im engsten Zu¬ 
sammenhang mit den knnstformalen Bestrebungen seiner Zeitgenossen stand 
Im Relief, dessen Grundform tragisch sei, aber gebe er als Mensch, vie 
als Ideenträger sein persönlichstes, den bewufsten, lebendigen Willen, den 
materiellen und ideologischen Raum als einen Wahn zu fiberwinden nnd 
die Seelenruhe, die seine Zeit erstrebte, auf Kosten des Seelenlebens in 
verachten. „Das Raumdrama stellt den Lebensstillstand dar.“ Sehr inter¬ 
essant wird die „Umwandlung“ Donatbllos, die mit dem Zeitpunkt beginnt, 
wo das eigentliche Mannes- und Schaflensalter schon überschritten ist, nnd 
das in ihm verkörperte „Raumdrama“ mit dem „Zeitdrama“ und der Ent 
Wicklung Ibsens verglichen (der mit 60 Jahren „Nora“, 10 Jahre später 
„Rosmersholm“, nach abermals 10 Jahren „John Gabriel Borkmann“ schrieb). 
Die ästhetische, sehr metaphysisch angehauchte Abhandlung über die 
Zusammenhänge zwischen diesen beiden Arten des Dramas, die einander 
erst zum „Drama des Lebens schlechthin“ ergänzten, die lebendige Schilde¬ 
rung des Milieus, in dem Donatbllo lebte, sowie die Art, wie der am Hofe 
Cosimos von Medici florierende Neoplatonismus seine Reliefs beeinflolste, 
mula im Original nachgelesen werden. 
Das Buch enthält fast zuviel des Subjektiven und Hymnischen, ist 
aber sehr anregend durch die vielen Allgemeinbeziehungen, in die der 
Autor das Reliefproblem bringt. Alered Gutthann (Berlin). 
G. Gerber. Ober du religiöse fitftU. Zeitschrift für Philo», u. philo». Kriti 
124 (2.), 173-200. 1904. 
Die Grundlage des religiösen Gefühls ist das Ichgefßhl und zwar dis 
Gefühl des Ich als der Ursache des von uns ausgehenden Wirkens. Die«« 
Gefühl wird zum religiösen, wenn die Menschen an ihren Lebensschicksalen 
von der Unzulänglichkeit des verursachenden Ich im Wollen wie im Wirken, 
von der Einschränkung seiner Machtsphäre auf den Umkreis seine« Eigen 
lebens Erfahrungen machen. Sie suchen dann als Ergänzung dieses Ichs 
eine Ursache alles Geschehens und erfahren im religiösen Gefühl ihre Ich- 
einheit selbst als Wirkung dieser göttlichen Ursache. So wenig wie da:
        

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