Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Fick: Kritik der Hering'schen Theorie der Lichtempfindung. Sitzungsber. d. Physikal.-med. Gesellsch. zu Würzburg. 1900. Separatabdr. 6 S
Person:
Abelsdorff, G.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32090/1/
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Literaturbericht. 
Schutze noch zur Warnung noch zur Anziehung dienen. Wenn die Thiere 
total farbenblind wären, würde ein einziges Pigment z. B. Braun in ver- 
echiedenen Helligkeitsabstufungen als Schutzfärbung ausreichen. 
Aufser diesem von der Natur selbst angestellten Experimente können 
die Beobachtungen des lebenden Thieres bei Einwirkung farbiger Strahlungen 
über das Farbenunterscheidungsvermögen Aufschlufs geben, nur müssen 
dieselben, wie N. ausführt, mehr als bisher mit Berücksichtigung der von 
der physiologischen Optik neuerdings klar gelegten Thatsachen angestellt 
werden. 
Einer experimentellen Prüfung sind ferner die durch den Beiz ver¬ 
schiedenfarbiger Lichter am Auge eintretenden objectiven Veränderungen 
zugänglich. Hauptsächlich zwei Erscheinungen kommen hier in Betracht: 
1. Die Pupillarreaction. 2. Die Actionsströme der Netzhaut. Beide Unter¬ 
suchungsmethoden sind bereits erfolgreich benutzt worden, die sub 1 ge¬ 
nannte vom Ref., die sub 2 genannte vom Verf., über deren Ergebnisse 
bereits in dieser Zeitschr. (26, 264) berichtet worden ist. N. betont zum 
Schlüsse, dafs diese die Beizwerthe der verschiedenen Spectralfarben für 
die betreffende Netzhaut feststellenden Experimente trotz ihrer größeren 
Exactheit natürlich die Beobachtung der Beaction des lebenden Thieres 
nicht entbehrlich machen, da sie ja an sich über das Farbenunterscheidungs¬ 
vermögen des Besitzers der Netzhaut keine Auskunft geben. 
G. Abelsdobff (Berlin). 
A. Fick. Kritik der Hering’sehen Theorie der Lichtempflndimg. Sitzungsber. 
d. Physikal.-med. Gesellsch. zu Würzburg. 1900. Separatabdr. 6 S. 
F. wendet sich gegen die Grundannahmen der Hkbing''sehen Licht¬ 
empfindungstheorie : vor Allem träfen die Kriterien der Empfindung für 
den „mit dem Worte Schwarzsehen bezeichnten Bewufstseinszustand“ nicht 
zu; so sind z. B. die Grenzen des mit Lichtempfindungen erfüllten Ge¬ 
sichtsfeldes scharf bestimmt, die Grenzen eines dunklen, schwarz erfüllten 
Gesichtsfeldes sind nicht nur nicht bestimmt, sondern entziehen sich der 
Vorstellung. 
Für die biologisch teleologische Betrachtung widerspricht ferner die 
grundlegende Hypothese, dafs nicht nur die Dissimilirung sondern auch 
die der Begeneration dienende Aasimilirung als Empfindung ins BewuM- 
sein trete, dem Principe organischer Zweckmäfsigkeit. Während nun die 
Dissimilirung in allen drei Sehsubstanzen durch Beize, gewöhnlich Aether 
Schwingungen hervorgerufen wirçk soll nach der HsRiKo'schen Theorie die 
Assimilirung in den farbigen Sehsubstanzen nicht wie in der Schwarz- 
Weifs-Substanz durch die Abwesenheit von Lichtstrahlen sondern in der 
Begel durch die Einwirkung bestimmter Strahlungen verursacht werden. 
Eine weitere Unwahrscheinlichkeit sieht F. in der sich hieraus ergebenden 
Folgerung, dafs von zwei nur durch einen relativ geringen Unterschied 
in der Wellenlänge von einander abweichenden Strahlungen, die eine 
dissimilirend, die andere assimilirend auf dieselbe Sehsubstanz wirken soll 
G. Abelsoobf* (Berlin).
        

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