Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Fr. Schenck: Ueber intermittirende Netzhautreizung. 8. Mitth. Pflüger's Archiv 77, 44-52. 1899 / W. Just: Ueber intermittirende Netzhautreizung. 9. Mitth. Pflüger's Archiv 82, 192-198. 1900
Person:
Marbe, Karl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32088/1/
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Literaturbericht. 
Çharakteri8ticum der Farbenterminologie primitiver Sprachen bildet die 
Abwesenheit eines Namens für Braun. 
R. konnte die Frage, ob dieser mangelhaften Bezeichnung auch ein 
mangelhafter Farbensinn bei den australischen Stämmen entspräche, dahin 
entscheiden, dafs Blau und Grün sowie Blau und Violett häufig verwechselt 
wurden. Es wurden auch „quantitative“ Beobachtungen mit Lovibond’s 
Tintometer angestellt, das eine Abstufung der Farbenintensität durch Vor¬ 
schieben einer Reihe verschieden stark gefärbter Gläser gestattet. Ein 
Vergleich mit Europäern ergab, dafs die Eingeborenen zwar nicht blaublind 
aber relativ unempfindlich gegen Blau sind. Wie R. mit Recht hervorhebt, 
braucht diese Unempfindlichkeit nicht auf einer Verschiedenheit der 
percipirenden Elemente zu beruhen, sondern kann durch die stärkere 
Pigmentirung der Macula lutea erklärt werden, zumal da die Bilder der 
Beobachtungsfelder über die Gröfse der Macula nicht hinausgingen und 
die Eingeborenen bei indirecter Betrachtung Blau peripherisch prompt er¬ 
kannten. 
Wenn man bei diesen Ergebnissen in Betracht zieht, dafs die Farben¬ 
bezeichnungen der alten Sprachen, im besonderen diejenigen Hou£r's 
ebenso wie der Farbensinn kleiner Kinder Defecte ganz ähnlicher, wenn 
nicht der gleichen Art aufweisen, so braucht man zwar nicht so weit wie 
Gladstone und Geiger zu gehen und von einer Farbenblindheit Homers 
zu sprechen, man kann indessen die Möglichkeit nicht von der Hand 
weisen, dafs in der Farbennomenclatur Homer’s noch ein früherer, zu 
seiner Zeit bereits überwundener Entwickelungszustand menschlicher 
Farbenempfindungen zum Ausdruck kommt; jedenfalls soll man die aller¬ 
dings zu weitgehenden Ansichten Gladstone’s und Geiger’s nicht als völlig 
undiscutirbar aufser Acht lassen, nur von der vereinten Arbeit archäo- 
philologischer und psycho physiologischer Forschung erwartet R. die Lösung 
des Problems der Entwickelung des menschlichen Farbensinnes. 
G. Abelsdorff (Berlin). 
Fr. Schenck. Heber intermittirende Netzhautreizung. 8. Mitth. Pflüger’« 
Archiv 77, 44—52. 1899. 
— u. W. Just. Ueber intermittirende Netzhautreizung. 9. Mitth. Pflügcr't 
Archiv 82, 192—198. 1900. 
In der achten Mittheilung kommt Verf. auf die schon in der siebenten 
Mittheilung (Referat vgl. diese Zeitschr. ltt, 439) erwähnte Beobachtung zurück, 
dafs eine ganz mit schwarzen und weifsen Sectoren erfüllte Kreiselscheibe 
eine geringere Umdrehungsgeschwindigkeit nöthig hat, um gleichmäfsig 
auszusehen, als eine nur zur Hälfte von den Sectoren bedeckte, zur anderen 
Hälfte mit (dem Sectorengemisch gleich hellem) Grau erfüllte Scheibe. 
Schenck gelangt zum Resultat, dafs diese Beobachtung mit der von Exneb 
u. A. vertretenen Theorie der Netzhauterregung bei successiv-periodischen 
Reizen unverträglich ist und er ersetzt deshalb die ExNKK’sche sägeförmige 
Curve durch eine andere Erregungscurve, die mit dem fraglichen Beobach¬ 
tungsresultat nicht im Widerspruch steht. 
Ref. ist der Meinung, dafs wir z. Z. über den Verlauf der Netzhaut¬ 
erregung bei successiv-periodischen Reizen speciellere Aussagen nicht
        

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