Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Tschermak: Ueber physiologische und pathologische Anpassung des Auges. Leipzig, Veit u. Co., 1900. 31 S
Person:
Abelsdorff, G.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32086/1/
Literaturbericht. 
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A. Tschekmak. Ueber physiologische und pathologische Anpassung des Auges. 
Leipzig, Veit u. Co., 1900. 31 S. 0,80 Mk. 
T. definirt in diesem Vortrage den Begriff der Anpassung als „eine 
durch Abänderung der Aufsenbedingungen ausgelöste Reaction, welche auf 
einen gerade unter den geänderten Bedingungen nützlichen Effect gerichtet 
ist.“ In diesem, die Zweckmäfsigkeit schon in der Tendenz und nicht im 
ausnahmslosen Erreichen erblickenden Sinne sind die Anpassungsphänomene 
des Sehorgans unter physiologischen und pathologischen Verhältnissen 
sehr mannigfaltiger Art. Die Erscheinungen, die T. unter diesem Gesichts¬ 
punkt mehr auf frühere, z. Th. eigene Untersuchungen verweisend als im 
Einzelnen schildernd aufzählt, lassen sich im Wesentlichen folgendermaafsen 
zusammenfassen : 
I. physiologische. 1. Die Aenderungen der Pupillengröfse bei wechseln¬ 
der Lichtintensität und ihre Abhängigkeit von der scheinbaren Helligkeit 
der Lichter. 2. Die Accomodation des bilderzeugenden Apparates. 3. Auf 
dem Gebiete des Licht- und Farbensinnes die achromatische und chroma¬ 
tische Adaptation (Hering). 4. Die am Bewegungsapparate ausgelösten 
Fusionsbewegungen zur Verschmelzung von Doppelbildern. 
II. pathologische Anpassungserscheinungen. 1. Die Lösbarkeit der 
angeborenen Association zwischen bestimmten Graden der Accomodation 
und Convergenz bei Kurz- und Weitsichtigen. 2. Bei Schielenden lassen 
sich verschiedene Phänomene nachweisen, die gegen Doppeltsehen bezw. 
auf binoçulares Einfachsehen gerichtet sind, hierher sind die Unterdrückung 
„innere Hemmung“ der Eindrücke des schielenden Auges, sowie die anomale 
Lage der beiden Einzelsehfelder zu einander, die anomale Sehrichtungs¬ 
gemeinschaft zwischen Fovea des fixirenden und excentrischen Theilen des 
schielenden Auges zu rechnen. 
Der adaptative Charakter dieser Erscheinungen gewinnt dadurch ein 
um so höheres allgemeines biologisches Interesse, als er ein aufs höchste 
differencirtes Organ betrifft und sonst Organe sowie Organismen im Allge¬ 
meinen mit fortschreitender Differenzirung eine Einbufse an Anpassungs¬ 
fähigkeit erleiden. G. Abelsdoree (Berlin). 
W. H. R. Rivers. Primitive Color Vision. The Popular Science Monthly 59 (1), 
44—58. May 1901. 
R. hatte Gelegenheit in Neu-Guinea und der Torresstrafse eingehende 
Untersuchungen an den Eingeborenen über Farben-Bezeichnung und Em¬ 
pfindung anzustellen. Von 4 papuanischen verschiedensprachigen Stämmen 
hatte der eine nur besondere Namen für Roth, Weils und Schwarz, der 
zweite auch für Gelb, der dritte ferner für Grün und einen dem Englischen 
entlehnten Ausdruck für Blau (Bulu Bulu), während bei dem vierten Grün 
und Blau als solche, aber mit häufiger Verwechselung bezeichnet wurden. 
Nach R. entspricht dieser zunehmende Reichthum an Farbennamen auch 
der sonstigen culturellen und intellectuellen Entwickelung der vier Stämme. 
Nach der auch hier hervortretenden, vielen Naturvölkern gemeinsamen 
mangelhaften Bezeichnung für Blau lassen sich die betreffenden Sprachen 
in zwei Gruppen theilen: solche, die dasselbe Wort für Blau und Schwarz, 
Und solche, die dasselbe Wort für Blau und Grün haben. Ein weiteres 
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