Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Bewegungsnachbilder
Person:
Borschke, A. L. Hescheles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32071/2/
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A. Borschke w. L. Hescheks. 
läfst. Er fand„dafs, wenn man eine Zeitlang eine vorüber¬ 
gehende Reihe formell individualisirter Gegenstände, z. B. einen 
langen Zug von Reitern, vorüberziehende Wellen, die Speichen 
eines nicht zu schnell sich umdrehenden Rades ansieht, eine den 
reellen Bewegungen der Gegenstände ähnliche Scheinbewegung 
im Gesichtsfelde zurückbleibe, die auf dem durch temporelle 
Eingewöhnung erworbenen Bewegungsbestreben der Augen¬ 
muskeln beruhe.“ Plateau, der sich eingehend mit dem Studium 
der Nachbilder beschäftigte und ein allgemeines Gesetz ihres 
Ablaufes aufstellen zu können glaubte, erhob Purkinjes Be¬ 
obachtung zum wissenschaftlichen Versuch. Er zeichnete eine 
ARCHiMEDEs’sche Spirale auf eine weifse Scheibe, liefs sie unter 
dauernder Fixation des Centrums rotiren und konnte nach plötz¬ 
lichem Einhalten der Rotation beobachten, dafs die Spirale, deren 
Windungen sich früher zu erweitern schienen, nun gegen das 
Centrum zu schrumpfte.® Oppel construirte zum Studium des¬ 
selben Phänomens einen eigenen Apparat, den er Antirrheoskop 
nannte: fünf nebeneinander liegende Walzen, die mit weifsem 
Papier überzogen waren und je eine schwarzgezeichnete Spirale 
trugen; alle drehten sich gleichsinnig und gleich rasch, nur die 
mittlere lief rascher.8 Im Nachbild zeigten die Spiralen alle das 
Plateau’sehe Phänomen, die mittlere in rascherem Tempo als 
die anderen, womit die Aufmerksamkeit auf eine bis dahin un¬ 
berücksichtigt gebliebene Eigenschaft des Nachbildes gelenkt 
wurde, seine Geschwindigkeit. Bei Oppel finden wir auch be¬ 
reits die Angabe, die auch wir und alle anderen Beobachter, 
Helmholtz ausgenommen* *, bestätigen, dafs zum Gelingen dies¬ 
bezüglicher Versuche festes Fixiren nothwendig sei, gröfsere 
Augenbewegungen störend wirken. Später nahm Dvorak die 
Plateau-0ppel’schen Versuche wieder auf, um den Nachweis zu 
führen, dafs die Scheinbewegungen als locale Netzhautvorgänge 
zu betrachten seien. Er legte auf eine grofse, weifse Scheibe 
mit einer Spirale eine kleinere, concentrische mit einer entgegen¬ 
gesetzt laufenden und endlich eine noch kleinere dritte, eben¬ 
falls concentrische Scheibe mit einer der ersten gleichsinnigen 
1 J. Purkinje. Beiträge zur Kenntnifs des Schwindels aus heauto- 
gno8tischen Daten. Medicinische Jahrbücher des östm\ Staates 6. 1820. 
5 Mémoires de l'Académie de Bruxelles 8. 
* Poggendorff's Annalen 80, 287. 
4 H. v. Helmholtz, Handbuch der physiologischen Optik, 2. Aufl., S. 701.
        

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