Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Bewegungsnachbilder
Person:
Borschke, A. L. Hescheles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32071/1/
(Aus dem physiologischen Institute der Universität in Wien.) 
Ueber Bewegungsnachbilder. 
Von 
A. Borschke und L. Hescheles, stud. med. 
(Mit 3 Fig.) 
Während das Studium der Naehbilderscheinungen auf dem 
Gebiete des Licht- und Farbensinnes seit Jahren eitrigst betrieben 
wurde, die Zahl der darüber verfassten Arbeiten grofs und unsere 
Kenntnifs der betreffenden Phänomene, was ihre descriptive Seite 
anlangt, eine ziemlich weit vorgeschrittene ist, ist die Kenntnifs 
der analogen Erscheinungen im Bereiche der optischen Bewegungs¬ 
empfindungen weniger weit ausgebildet. Dies erklärt sich aus 
dem Umstande, dafs erst einer verhältnifsmäfsig späten Zeit die 
Einsicht Vorbehalten war, dafs die Perception von Licht- und 
Farbenempfindungen nicht die einzige Leistung des zweiten 
Himnerven sei, sondern dafs auch die optische Empfindung von 
Bewegungen, die als eine specifische Empfindung aufzufassen ist, 
durch den Sehnerv vermittelt werde; das eingehende Studium 
dieser und der entsprechenden Nachbilder nach dem Erlöschen 
des auslösenden Reizes wurde erst ziemlich spät in Angriff ge¬ 
nommen , und darum ist unsere Kenntnifs und theoretische 
Deutung derselben von einem befriedigenden Abschlufs noch 
weit entfernt. 
Schon Purkinje, der gleichzeitig mit Goethe das Studium 
subjectiver Gesichtserscheinungen systematisch betreiben lehrte, 
hatte, ohne den Gegenstand einem genaueren Studium zu unter¬ 
ziehen, gelegentlich die Beobachtung gemacht, dafs, wie bei 
Licht- und Farben-, ebenso auch bei Bewegungseindrücken die 
Art der Empfindung unter Umständen in ihr Gegentheil um¬ 
schlägt, d. h. wie wir heute sagen, ein negatives Nachbild zurück- 
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