Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kurella: Die Grenzen der Zurechnungsfähigkeit und die Kriminalanthropologie. Halle, Gebauer-Schwetschke, 1903. 123 S.
Person:
Deiters
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31995/1/
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LiteralHrberuht, 
gegebenen Umstanden nur in einer Richtung handeln kann, wie der ge 
worfene 8tein unter gegebenen Umständen keines Gedankens Breit« von 
der Bahn abweichen kann“. Das gilt für den Zurechnungsfähigen, wie für 
den Zurechnungsunfähigen. Als ganzen Menschen mufs der Psychiater 
den Täter kennen lernen und beurteilen, wenn er aussagen soll über desse 
Zurechnungsfähigkeit. Er soll nicht eingeschränkt sein durch unzuläng 
liehe psychologische Kriterien; mafsgebend ist allein für die Umgrenzung 
der Begriff der Geisteskrankheit. „Unklare Grenzen bleiben nur auf 
dem Gebiete der Übergangsfälle. Diese lassen sich indes in der Natur 
nicht dadurch ausmerzen, dafs ein Gesetz künstliche Grenzen ziehen will 
aber die Schwierigkeiten, die sie bieten, lassen sich leicht beseitigen, went, 
das Gesetz die Grenzfälle kennt und berücksichtigt.“ 
Spiblmeyeb (Freiburg i. B.). 
Ku&klla. Die Greuea der ItreekauggflUgkeit «ad die Krinlailaathrepoligk, 
Halle, Gebauer-Schwetschke, 1903. 123 S. Mk. 3,00. 
Die in der Einleitung gegebenen kurzen theoretischen Erörterungen 
über Zurechnungsfähigkeit sind im einzelnen anfechtbar und gehen der 
Sache nicht auf den Grund. 
Nach interessanten Bemerkungen über die kriminelle Bedeutung «1er 
Anomalien des Geschlechtsgefühls und der verschiedenen Arten impulsiven 
und unbewufsten Handelns folgt der Hauptteil der Schrift, eine gemein 
verständliche Darstellung und Verteidigung der LoMBEOSOschen Lehre. Der 
scharf polemische Ton, der ja leider fast allen für und gegen Lombbos» 
auftretenden Kämpen eigen ist, macht die Lektüre solcher Darstellungen 
wenig erfreulich. 
Die Schlufskapitel beschäftigen sich mit den praktischen Konsequenzen 
der kriminalanthropologischen Ergebnisse und mit einigen neueren Arbeiten 
Deitbbs (Bonn). 
F. Raüh. Science et conscience. Revue philos. 57 (4), 359—367. 1904. 
Verf. beabsichtigt eine Fixierung seines Standpunktes gegenüber einem 
Buche von Lkvy-Brühl, betitelt: Morale et la science des moeurs. Heus 
zutage handelt es sich nicht um Metamoral und soziale Moral, wie L.-Br 
annimmt, sondern um Wirklichkeit und soziale Idee, oder mit änderet] 
Worten, um soziale Wirklichkeit und Bewufstsein. 
Ein moralisches Urteil ist kein Konstatieren, sondern eine Zustimmung, 
«lie Zustimmung eines individuellen Bewufstseins. Findet die Zustimmung 
universellen Anklang, so erscheint sie gar nicht. Das individuelle Bewufsî 
sein verliert sich alsdann in dem kollektiven. Tritt aber eine neue Idee 
auf, so erfolgt eine Spaltung zwischen beiden. Solche neuen sozialen Ideen 
mufs man in voller Wirksamkeit sehen. Verf. will daher eine Methodologie 
der Handlung schreiben. Hierzu ist es aber nötig, dafs man zunächst ein 
von allem Theologischen und Metaphysischen befreites Bewufstsein unter 
scheiden kann. L.-Br. hat das Studium der sozialen Ideen in ihren Be 
Ziehungen zur sozialen Wirklichkeit vernachlässigt. Die moralistiscben 
Soziologen gehen von dem Gedanken aus, dafs die sozialen Einrichtungen
        

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