Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Th. Beer: Ueber primitive Sehorgane. Wiener klinische Wochenschr. Nr. 11, 12 u. 13. 73 S. 1901
Person:
Abelsdorff
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31953/2/
Literaturbericht. 
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Sehorgane oder Photo-Receptoren oder Photoren nennt B. alle für Um- 
Setzung der Lichtreize in Nervenerregung geeignete Gebilde. Gerade weil 
ihre Function, das Photorecipiren, durchaus nicht mit Sehen identisch zu 
sein braucht, scheint dem Ref. der Begriff des Sehorgans dem der „Photoren“ 
untergeordnet und das „Oder“ an dieser Stelle nicht glücklich gewählt zu sein. 
Solche Photoren, die nur quantitative Verschiedenheiten der Belichtung 
an zeigen, werden Photirorgane, die recipirenden Elemente Photirzellen ge¬ 
nannt. Idir-Organe reap. Augen sind hingegen diejenigen Photoren, die 
Bilderder Aufsenweltentwerfen und jefnach ihrem Baue Complex— (facettirte) 
oder einfache (Camera) Augen sind. 
Zu der Schwierigkeit, Photirorgane bei niederen Thieren aus der 
Function zu erschliefsen, gesellte sich noch erschwerend die weit ver¬ 
breitete Annahme hinzu, dafs stark absorbirendes Pigment der unentbehr¬ 
liche Bestandtheil eines jeden Sehorgans sei. Wenngleich zuzugeben ist, 
dafs dem Pigmente häufig ein heuristischer Werth für den Nachweis licht- 
recipirender Theile zukommt, so führt B. doch Beispiele pigmentloser 
Photirzellen bei Lumbriciden und Hirudineen, die durch das Vorhanden¬ 
sein gitterumsponnener Vacuolen charakterisirt sind, an. Indem man ferner 
niederen Thieren die Sehleistungen eines Wirbelthieres zusprach, glaubte 
man in den Photirorganen jener auch den dioptrischen Apparat des Wirbel¬ 
thierauges wiederfinden zu müssen und sprach von bilderzeugenden Linsen, 
während bei der Mehrzahl der niederen Thiere von einem bildmäfsigen 
Sehen gar keine Rede sein kann. So hat man zuweilen die Photirzellen 
selbst als Linsen und die dieselben umgebenden Becherzellen als „Retina“ 
beschrieben. 
Eine principielle, der Erkenntnifs von der Leistung primitiver Seh¬ 
organe sich hindernd entgegenstellende Ansicht, glaubt B. besonders be¬ 
kämpfen zu müssen : in Fällen von unzweifelhafter Lichtreaction darf man 
nicht einen universellen, Geruch, Tasten, Photiren etc. vermittelnden Sinnes¬ 
apparat, etwa eine „dermatoptisehe“ Haut annehmen, sondern hat nach 
specifischen Photoren zu suchen. Sogar bei einigen Protozoen ist es be¬ 
reits gelungen, distincte photorecipirende Stellen nachzuweisen, so konnte 
Eitqelmahn zeigen, dafs bei Euglena eine Beschattung nur dann Reactionen 
hervorruft, wenn der Vordertheil getroffen wird. Wenn aber auch andere 
Protozoen wirklich am ganzen Leibe für verschiedenartige Reize empfäng¬ 
lich sein sollten, so liegt noch kein Grund vor, wegen der Verschieden¬ 
artigkeit der einwirkenden Reize auch qualitativ verschiedene Erregungen 
anzunehmen. Man hat ferner in solchen Fällen von Lichtreactionen, in 
welchen bisher der Nachweis von Photoren nicht geglückt ist, nicht nur 
an die Möglichkeit des zukünftigen Nachweises, sondern auch an diejenige 
einer directen Licht-Muskelreizbarkeit zu denken, wie sie thatsächlich in 
den Irismuskeln der Amphibien und Fische vorhanden ist. Es giebt auch 
„Reizbeantwortungen“ ohne Vermittelung des Nervensystems, im vor¬ 
liegenden Falle also Phototropien (Heliotropismus). Nach dieser Be¬ 
kämpfung der Annahme von „Wechselsinnesorganen“, in der B. der Lehre 
von den specifischen Sinnesenergien eine gewissermaafsen erweiterte An¬ 
wendung verleiht, giebt er eine referirende Uebersicht neuer Erfahrungen 
über primitive Photoren. Man findet 1. Pigmentlose Photirzellen. 2. Pig-
        

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