Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wilhelm Wirth: Der Fechner-Helmholtz'sche Satz über negative Nachbilder und seine Analogien. Wundt's Philos. Studien 16 (4), 465-567. 1900
Person:
Kiesow
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31952/3/
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Literaturberickt. 
überhaupt und zweitens die Auffassung des negativen Nachbildes als 
eines gesonderten, dem primären Object analogen Flächenstückes,“ welche 
letztere nur unter besonders günstigen Bedingungen vorzukommen scheine, 
während eine modificirende Wirkung immer vorhanden sei, solange nur 
der Werth des Nachbildes nicht völlig verschwinde. Der Verf. fügt hinzu, 
dafs zur Unterscheidung dieser beiden Gesichtspunkte farbige Nachbilder 
besser geeignet seien als die von Martius beobachteten farblosen. Es wird 
dann weiter auf die apperceptive Heraushebung der Nachbilder Gewicht 
gelegt und gezeigt, dafs, wie diese schon beim ruhenden Auge Schwierig¬ 
keiten begegne, die letzteren bei Augenbewegungen noch vergrößert 
werden. Der Verf. sucht zu zeigen, dafs hierbei vielleicht nicht die Em¬ 
pfindungsdifferenzen im Sehfelde fehlten, sondern nur die Apperception 
auf eine falsche Stelle gerichtet und die richtige keiner genaueren Analyse 
unterzogen wurde: Das Nachbild ist für uns ein ebenso selbständiger 
Gegenstand, wie jede andere räumliche Wahrnehmung, auch hier läfst sich 
die dreidimensionale Localisation nicht auf heben, — alle bei Augen¬ 
bewegungen gemachten Erfahrungen übertragen sich unmittelbar auch auf 
das Nachbild, in Folge der Verschiebung der Wahrnehmungsgegenstände 
mufs bei Augenbewegungen das Nachbild scheinbar zunächst verschwin¬ 
den etc. Neben diesen Ortsveränderungen rechnet der Verf. hierher auch 
die scheinbaren Gröfsenveränderungen. „Man erkennt hierbei am aller¬ 
deutlichsten, dafs ein Nachbild nicht vielleicht schon mit der blofsen Em¬ 
pfindungsdifferenz gegeben zu sein braucht, sondern dafs man auch wissen 
mufs, wo und in welcher Form sich diese Differenzen als Flächencontouren 
befinden, damit man sich eines Nachbildes bewufst werden könne." 
(Schwierigkeit im Wiederfinden von Nachbildern auf einer entfernteren 
Projectionsfläche, die man auf einer näheren bereits klar erfafst hatte). 
„Wer also die Nachbilder nicht gerade auf einen bestimmten Projections- 
effect hin studirt hat, wird niemals in der Weise auf das Kommende ge- 
fafst sein, dafs ihm das Nachbild nach einer fortschreitenden Augeu- 
bewegung wie ein objectiver Gegenstand sofort wieder klar vor Augen 
stände“, wenn dieser Ausdruck für Nachbilder gestattet ist.“ — Der Verf. 
zeigt weiter, dafs die Schwierigkeiten, ein Nachbild nach raschen Augen- 
bewegungen wiederzufinden, durch die Bedingungen der gewöhnlichen 
binocularen Gesichtswahrnehmungen noch gesteigert werden und dafs die 
Apperceptionsbedingungen während der Bewegung selbst noch viel un¬ 
günstiger werden, da die Apperception durch den Bewegungsimpuls selbst 
in ihrer Leistungsfähigkeit beschränkt sei. „In allen Fällen, in denen die 
Bewegungen nicht durch das Streben nach Fixation eines zunächst indirect 
gesehenen Gegenstandes ausgelöst werden, sondern durch das Erstreben 
der entsprechenden Bewegungsempfindungen überhaupt, fallen sämmt- 
liche Gegenstände des Sehfeldes im Momente der Bewegung aus dem 
Mittelpunkt der Apperception heraus.“ Es wird dann noch des Weiteren 
darzuthun gesucht, dafs jene apperceptiven Momente hierbei allein in Frage 
kommen und gezeigt, dafs die Erscheinungen, welche Martius zu seiner 
Theorie führten, sich auch durch die alte Anschauung erklären lassen, 
nach welcher die Nachbilder in Erregungsdifferenzen ihre Ursache haben.
        

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