Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wilhelm Wirth: Der Fechner-Helmholtz'sche Satz über negative Nachbilder und seine Analogien. Wundt's Philos. Studien 16 (4), 465-567. 1900
Person:
Kiesow
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31952/1/
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Literaturbericht. 
Ament im Gebiete von Licht- und Schallintensitäten unter seiner Leitung 
ausgeführten Versuche (.Philos. Stud. 16, 135) su der Ueberzeugung, „dafis 
die ebenmerklichen Unterschiede mit der Intensität der sie 
begrenzenden Empfindungen wachsen.“ Vermuthungsweise spricht 
der Verf. die Ansicht aus, dafs die gefundene Gesetzmäfsigkeit auch für 
andere Gebiete Gültigkeit habe. 
Aus den erbrachten Resultaten folgert Külpr, dafs das WsBBB’sche 
Gesetz für ebenmerkliche Unterschiede etwas anderes bedeute, als für 
übermerkliche. „Während es dort nur besagt, dafs das merkliche Vor¬ 
handensein eines Empändungsunterschieds bei gleichen relativen Reis¬ 
unterschieden gleich bleibt, würde es hier bedeuten, dafs gleichen Reis¬ 
verhältnissen, beziehungsweise relativen Reizunterschieden gleiche Em¬ 
pfindungsunterschiede entsprechen.“ Wegen der Zweideutigkeit des 
Terminus Constanz, der relativen Reizunterschiede, der relativen Unter¬ 
schiedsempfindlichkeit empfiehlt es sich nach K., „von einer Constant 
der relativen Unterschiedsbestimmung bei ebenmerklichen, von 
einer Constanz der relativen Unterschiedsvergleichung bei 
übermerklichen Unterschieden zu reden.“ Das WEBKa'sche Gesetz kann man 
somit nach K. auch als eine „Abhängigkeitsbeziehung zwischen 
der Merklichkeit von Unterschieden und deren objectiver 
Gröfse bezeichnen oder, da es nur psychologisch gedeutet werden 
kann, als ein Apperceptionsgesetz, womit die Function der Maafs- 
einheit des ebenmerk]ichen Unterschiedes und somit auch Fbchnkb’s 
psychophysisches Formelsystem hinfallen. Unter Merken versteht K. 
Constatiren, Auffassen, Beurtheilen von Empfindungen oder 
Empfindungsunterschieden. Die Ausdrücke Merken und Vorhandensein 
sind hiernach nicht identisch. Es kann psychisch etwas vorhanden und 
wirksam sein, ohne dafs es bemerkt wird. Nur in diesem Sinne ist der 
Ausdruck „unbewufst“ in der Psychologie nach K. brauchbar. 
Der Verf. schliefst die werthvolle Mittheilung, indem er darauf hin¬ 
weifst, dafs für ebenmerklicheReize bezw. Empfindungen dasselbe 
gelte, was für ebenmerkliche Empfindungsunterschiede wahrscheinlich ge¬ 
macht worden sei. Kiesow (Turin). 
Wilhelm Wibth. Der F echner-Helmholtz’sehe Satz Aber negative Steh¬ 
bilder and seine Analogien. Mit 9 Figuren im Text und 1 angehängten 
Tafel. Wundt's Philos. Studien 16 (4), 465-567. 1900. 
Die in Wundt’s Institut ausgeführte umfangreiche Arbeit theilt sich, 
soweit sie uns bis jetzt vorliegt, nach einer Einleitung (Historisch-Kritisches, 
Fragestellung) in zwei Kapitel. Von diesen trägt das erste die Ueber- 
schrift: Prüfung des Fechner - Helmholtz ’ s c h e n Satzes für den 
Helligkeitswerth farbloser Nachbilder durch Pigmentver¬ 
suche. Das zweite behandelt Episkotisterversuche. 
Der Verf. beanstandet, dafs die hier vorliegende Gesetzmäfsigkeit 
(Proportionalität zwischen der durch Ermüdung eingetretenen Herab¬ 
minderung der Erregung und dem objectiven Reiz) mit von Kries als 
HELMHOLTz’scher Satz benannt wird, er will sie, da sie auf Fechner zurück-
        

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