Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
J. Cohn: Was lernt die Psychologie von der Pädagogik? Zeitschr. für pädag. Psychol 1 (1), 20-27. 1899
Person:
Heller, Th.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31949/2/
Literaturbericht. 
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die Fähigkeiten seiner Schüler nach verschiedenen Seiten hin kennen zn 
lernen Gelegenheit hat und daher in der Lage ist, auch innerhalb jener 
Complexe, die man als mathematische, sprachliche Begabung etc. zu be¬ 
zeichnen pflegt, feinere Unterschiede aufzufinden. 
Von besonderem Interesse wäre die Beantwortung der Frage, ob die 
Uebungs- und Ermüdungstypen, die sich aus der Beurtheilung der Fehler 
innerhalb gröfserer Classenarbeiten ergeben, für den einzelnen Menschen 
constant bleiben. Auch wäre festzustellen, ob und in welcher Weise das 
Vorwiegen akustischer, motorischer oder visueller Vorstellungen Ver¬ 
änderungen unterworfen ist, in wie weit bestimmte Gedächtnifstypen mit 
anderen geistigen Begabungen Zusammenhängen, schliefslich auch, in 
welcher Beziehung Begabungen und Mängel der Schüler zu ihrer Ab¬ 
stammung und der Erziehung in der Familie stehen. 
Die vorliegende Arbeit will keineswegs ein Programm für die psycho¬ 
logische Bethätigung des Lehrers aufstellen; es ist dem Verf. vielmehr 
darum zu thun, die Pädagogen zur Mitarbeit in den angegebenen Bichtungen 
anzuregen. « Th. Heller (Wien). 
H. Wegener. Die psychischen Fähigkeiten der Thlere. Zeitschrift für pädag. 
Psychol, u. Pathol. 2 (5), 383—398; (6), 457—480. 1900. 
Als Hauptproblem der modernen Thierpsychologie bezeichnet W. die 
Frage, ob den Thieren nur Instinct oder auch Intelligenz zugesprochen 
werden darf. Während die meisten Forscher das Vorhandensein von In¬ 
telligenz behaupten, wird sie vom Jesuitenpater Wasmann für alle, und von 
Bbthe für bestimmte scheinbar sehr intelligente Thiere (Ameisen und 
Bienen) bestritten. Verf. führt den Streit zum Theil darauf zurück, dafs 
die von ganz verschiedenen psychologischen Standpunkten herkommenden 
Forscher mit den Worten Instinct und Intelligenz sehr abweichenden Sinn 
verbinden; sodann weist er an zahlreichen Beispielen, die zumeist dem 
Bienen- und Ameisenleben entnommen sind, nach, dafs Intelligenz als 
„Fähigkeit zur Ueberlegung und darauf basirender zweckmäfsiger Handlungs¬ 
weise“ bei der Erklärung zahlreicher thierischer Functionen unentbehrlich 
sei, während andere eine mechanische Analyse erlauben. 
W. Stern (Breslau). 
0. Külpe. Ueber das Yerhältnifs der ebenmerklichea za den Übermerklichen 
Unterschieden. Congrès de Psychologie, Août 1900. Paris, Félix Alcan, 
1900. 10 S. 
Der Verf. vertheidigt die Verhältnifshypothese gegenüber der Unter¬ 
schiedshypothese. Er weist darauf hin, dafs, wenn auch Unterschiede von 
gleicher Merklichkeit oder Deutlichkeit gefunden werden sollten, 
doch damit über die Bedeutung und den Werth der ebenmerklichen oder 
gleichmerklichen Unterschiede noch nichts Bestimmtes ausgesagt sei. „Das 
Ebenmerkliche hat also an sich keineswegs, wie Fbchner meinte, eine noth- 
wendige Beziehung zur Gleichheit der entsprechenden Empfindungen oder 
Empfindungsunterschiede.“ Der Verf. geht dann auf die bekannten Arbeiten 
von Merkel, Anoell und L. Lange ein und kommt auf Grund der von 
Zeitschrift für Psychologie 27. 19
        

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