Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
J. Cohn: Was lernt die Psychologie von der Pädagogik? Zeitschr. für pädag. Psychol 1 (1), 20-27. 1899
Person:
Heller, Th.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31949/1/
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Literaturbericht. 
K. Pappexheim. Die Ktaderxeichnnng tm Anichaanngsnterrkht Zeitsckr. für 
pädag. Psychol, u. Pathol. 2 (3), 161—190. 1900. 
Die Arbeit ist wesentlich praktisch-pftdagogischer Natur. Sie bespricht 
eine Reihe von Methoden, durch welche die Kinder «um Zeichnen tot 
Lebensformen in linearer und flftchenhafter Darstellung angeleitet werden 
können und hebt hervor, wie auf diesem Gebiet Schulpraxis und Kindes- 
psychologie auf einander angewiesen sind und gegenseitige Förderung er 
hoffen lassen. W. Stern (Breslau). 
J. Cohn. Was lernt die Psychologie Yen der Pädagogik * Zeitschr. für päda§. 
Psychol. 1 (1), 20—27. 1899. 
Seitdem die Pädagogik sich der Fesseln der HerbaBTSchen Seelen 
lehre «u entledigen beginnt, eröffnet sich der vom Geiste exacter Forschung 
durchdrungenen Psychologie ein wichtiges Anwendungsgebiet. Aber auch 
der Psycholog kann von der Mitarbeit des Lehrers eine unabsehbare Folk 
von Anregungen erwarten, die wiederum befruchtend auf seine eigene 
Wissenschaft einzuwirken im Stande ist. 
Aufser den in seinen Methoden verborgen liegenden allgemeinen Ein¬ 
sichten verfügt der Lehrer über ein ungeheueres Material psychologischer 
Experimente. Der Verf. hat hierbei jene Versuche im Auge, welche sich 
aus dem Unterrichtsbetrieb selbst ergeben. Allerdings wird es zuvor nöthig 
sein, die Gesichtspunkte zu entwickeln, unter denen die Dictate, Extem¬ 
poralien, Antworten etc. als psychologisches Material benutzt werden 
können. Dies scheint nach drei Richtungen hin möglich zu sein: fftr ge¬ 
wisse Fragen der allgemeinen Psychologie, für die Erkenntnis der Ent¬ 
wickelung des Geistes und für die Charakteristik der Individualitäten. 
Unter den allgemein psychologischen Problemen ist das der Ermüdung 
und in engem Zusammenhang damit das der Uebung bereits behandelt 
worden. Eine Reihe anderer Fragen harrt noch der Bearbeitung. Von 
besonderer Wichtigkeit wird die entwickelungsgeschichtliche Verwerthong 
des im Unterrichte gegebenen Materials sein. Genaue Anhaltspunkte für 
den Fortgang einer derartigen Untersuchung lassen sich freilich a priori 
nicht aufstellen, sie müssen sich in der Arbeit selbst ergeben, die nur von 
einem psychologisch gebildeten Lehrer mit Aussicht auf Erfolg durchg* 
führt werden kann. 
Die Psychologie der Altersstufen führt naturgemäfs hinüber zu den 
Problemen der individuellen Unterschiede. „Dieser Zweig der Psychologie 
hat es mit zwei Arten von Gruppenbegriffen zu thun: Einmal mit denen, 
welche die Wissenschaft selbst nach den von ihr erkannten Verschieden¬ 
heiten bildet — hierher gehören die Gruppen der visuell, akustisch und 
motorisch behaltenden und vorstellenden Menschen — dann aber auch mit 
den anderweitig gegebenen Gruppen der Geschlechter, Altersstufen, Berufe 
unterschiede, Stammesverwandtschaften u. s. w.M Solche Verschiedenheiten 
müssen sich in einer durchschnittlichen Verschiedenheit der geistigen 
Funktionen und Leistungen abspiegeln, und nach beiden Seiten hin ergeben 
sich wichtige Fragen für die psychologische Bearbeitung. Ueber dea Zu¬ 
sammenhang der Variation verschiedener geistiger Eigenschaften kann der 
Lehrer, wie nicht leicht ein anderer Beobachter, Aufschlufs geben, dn er
        

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