Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Alexander Pilez: Die periodischen Geistesstörungen. Eine klinische Studie. Jena, Gustav Fischer, 1901. 210 S
Person:
Schultze, Ernst
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31938/1/
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Literaturbericht. 
Wlllenspsychologie bringt zunächst in dem ersten Abschnitt bis 6. 88 «an 
Zurtickführung der Willens-, Instinct- und Reflexvorgftnge auf die Tritt« 
in Anlehnung an die WuNDT’sche Psychologie. Doch ist mit Absicht benik 
viefe Metaphysik über die Entstehung von Bewulstsein ans Körperliches 
in die wissenschaftlichen Darlegungen eingemengt. Im zweiten allganen 
psychologischen Theil 8. 210—343 wird dann der Aufbau der Bewußtsein» 
einheit mit ihrer einheitlichen Gemtithsbewegung aus „Einzehmpul«®1 
systematisch durchzuftihren versucht, um die Grundlegung zu der B» 
Schreibung der Aeufserung jener entwickelten Einheit zu gewinnen. D« 
„Einzelimpuls“ ist aber keineswegs als psychologische Hypothese auf Gnad 
der Bewufstseinsanalyse gewonnen, sondern rein physiologisch als Vor¬ 
gang in einer Muskelfaser (bezw. als Analogon hierzu) gedacht. Die Ver¬ 
allgemeinerung des Begriffes, die Verf., wenigstens nach der Vorrede, ik 
etwas Neues anzusehen scheint, geschieht durch eine ganz äußerliche 
Analogie des motorischen Vorganges zur Actualität überhaupt, wie sie auch 
bei der Empfindung vorliegt; da aber nun Verf. für das Bewußtsein, èm 
jederzeit einem Zusammenarbeiten solcher Einzelimpulse entspricht, kemi 
andere Grundqualität als die Empfindung kennt, so wird schliefslich du 
Bewulstsein der Thätigkeit doch wiederum den Muskelempfindungen benr. 
„Anschauungen“, etc. gleichgesetzt. Daneben besteht, nicht recht ver¬ 
arbeitet, der Gegensatz von Intellectus und Voluntas. An der Hand viel» 
und umfangreicher Schemen und nach Aufzählung vieler Principien werden 
dann alle einzelnen Qualitäten, Baum- und Zeitvorstellung, die Erkenntnis 
„Fühlung“ und Strebung auf das Zusammenarbeiten von EinzelimptÜMB 
zurückgeführt, häufig sogar unter Anwendung mathematischer Formeln 
über Veränderungsrichtungen. Verf. fühlt sich vor Allem mit Hinweis sof 
Schopenhauer berufen, die Fachwissenschaft auf die voluntarische Psycho¬ 
logie hinzuweisen und das „wüste und leer liegende“ Gebiet der Völker 
psychologie zu cultiviren. Wundt’s Völkerpsychologie I, 1 war erst kan 
vor Herausgabe des Buches erschienen und nicht mehr berücksichtigt 
Auch wer mit der Methode des Verf.’s principiell nicht einverstanden ist, 
wird seinem ernsten Streben nach einheitlicher Gestaltung einer Psycho¬ 
physiologie auf Grund eigener Intuition die Anerkennung nicht versag® 
können und sich über das Interesse freuen, das von einem nicht beruf» 
mäfsigen Psychologen den Fragen entgegengebracht wird, die auch di« 
Fachwissenschaft in neuerer Zeit immer mehr beschäftigen. 
Wirth (Leipzig). 
Alexander Pilez. Die periodischen Geistesst&nmgen. Eine klinische Stiih. 
Mit 57 Curven im Texte. Jena, Gustav Fischer, 1901. 210 S. 
Da seit dem 1878 erschienenen Werk von Kirn die periodisch® 
Psychosen keine monographische Bearbeitung erfahren haben, so ist die 
vorliegende Arbeit sicherlich ein berechtigtes Unternehmen, zumal sie ein¬ 
gehend die bisher verhältnifsmäfsig wenig studirten somatischen Störungen 
berücksichtigt und hinsichtlich der meisten zur Discussion stehenden Fragen 
sich auf eigene Beobachtungen stützen kann. 
Es sei im Voraus bemerkt, dafs P. unter periodischen Psychosen aua-
        

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