Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Henry Hughes: Die Mimik des Menschen auf Grund voluntarischer Psychologie. Frankfurt a. M., Joh. Alt, 1900. 425 S
Person:
Wirth
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31937/1/
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IÀteratwrbericht. 
mehr Einheitlichkeit und System in das Ganze gekommen, wenn der 
phänomenologische Gesichtspunkt, der im letzten Kapitel gelegentlich der 
Frage nach der Allgemeinheit, bezw. Abstractheit oder speciellen Concret- 
heit fn Tnari^keit und Freude beiläufig gestreift wurde, von vorne hemin 
die Frage der Analyse von QafühLaa -noch mehr pikf rt 
Wibth (Leipzig). 
Henbt Hughes. Die Mimik des Menschen auf Grand volantarischer Psychologie. 
Frankfurt a. M., Joh. Alt, 1900. 42ö S. Mk. 14.—. 
Die Ausführungen über die Mimik, welche auch die P&ntomimik zu 
umfassen bestrebt sind, können von der Behandlung der „voluntarischen 
Grundlage“, dem Versuche einer ganzen Gefühls- und Willenspsychologie, 
leicht abgetrennt werden. Von kurzen Hinweisen abgesehen, erfüllen die¬ 
selben zunächst 8. 88—209, wo die einzelnen Bewegungen des Gesichtes 
und des übrigen Körpers an der Hand der Muskelanatomie beschrieben 
werden, ferner den Schlufs des Buches S. 343—419, wo die eigentliche 
Psychologie der Mimik behandelt wird und die Gernüthsbewegungen als 
Eintheilungsgrund für die typischen Ausdrucksformen festgehalten sind. 
Zahlreiche Abbildungen, vor Allem die bekannten nach Pidbbit etc. sind 
besonders in diesen letzten Theil eingefügt. Der Werth des Buches dürfte 
vor Allem in der zuerst genannten Gruppe zu suchen sein. Wenn auch 
nichts Neues geboten wurde, so ist doch alles wesentliche Material an Aus¬ 
drucksbewegungen systematisch geordnet. Zunächst werden die einzelnen 
Muskelgruppen der Sinneswerkzeuge, der übrigen körperlichen Organe und 
Glieder in ihrer ursprünglichen, äufserlichsten Function dargelegt und 
dann bereits die „Verinnerlichung“, d. h. die eigentliche mimische Be¬ 
deutung der ähnlichen Combinationen angeschlossen; es wird also bereits, 
nur unter einem anderen Gesichtspunkt, dem letzten Theile vorgegriffen. 
Als Erklftrung8princip gilt hier vor Allem im Anschlufs an Wundt die Ge¬ 
fühlsverwandtschaft des dargestellten Seelenzustandes einerseits und der 
darstellenden Bewegung bei jener ursprünglichen Function andererseits. 
Doch scheint Verf. bei dem Bestreben, möglichst viele unter sich ver¬ 
schiedene Gemüthsbewegungen verschiedenen Coordinationen ein und der 
nämlichen Muskelgruppe eindeutig zuzuordnen, vor Allem bei den Augen¬ 
bewegungen nach Schema S. 138 zu weit zu gehen. Bei der Mimik des 
Mundes darf die rein asthenische Oeffnung in Folge von Ueberraschung 
und anderweitiger Beschäftigung der Aufmerksamkeit kaum, wie auf S. 151, 
mit der willkürlichen Oeffnung des Mundes zur Aufnahme von Speise in 
Zusammenhang gebracht werden. Die Verschiebung des psychologischen 
Thatbestandes wird noch klarer im letzten Theile S. 372. Verf. setzt hier 
bei dem „Erstaunen“ nicht die Absorption der Energie durch das Neue 
und die hiermit gegebene Hemmung anderweitiger Functionen dem Oeffnen 
des Mundes parallel, sondern ein zweites Stadium der positiven Ergreifung 
des Neuen, um jene Analogie mit der Aufnahme von Speise zu erlangen. 
Doch betont Verf. selbst auch, dafs jenes Offenstehen des Mundes nur bei 
relativer Schwäche vorkomme. Noch schwieriger wird die Zurückführung 
natürlich bei den Reflexbewegungen, und dürfte z. B. die angedeutete Be-
        

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