Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Yrjö Hirn: The Psychological and Sociological Study of Art. Mind, N. S. 9 (36), 512-522. 1900
Person:
Offner
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31935/1/
Literaturbericht. 
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unangenehm, der Duraccord angenehm, „und zwar umsomehr, je mehr 
sich die Zusammenstellung derjenigen der harmonischen Theiltöne eines 
Klanges näherte“. An der Geige vermochte er hei gleichzeitigem Streichen 
der beiden oberen Saiten die reine Quinte genau zu bestimmen. — Die 
Proben und Analysen siamesischer Musik bestätigen vielfach frühere Be1 
obachtungen auch an anderen exotischen Tonwerken: die stetige Be¬ 
schleunigung des Tempo im Verlaufe der Stücke, das ritardando am 
Schlufs; die ausschliefsliche Herrschaft des 4/4- bezw. 2/4-Tactes; den aus1 
•giebigen Gebrauch der Schlaginstrumente; die Betonung schlechter Tact1 
theile; die Vorliebe für Wiederholungen und Nachahmungen der kurzen 
Motive; das häufige Vorkommen des Sextenschlusses. Der melodische 
Gesammteindruck war regelmäfsig der des Durgeschlechtes. Der letzte 
Ton oder Accord eines Stückes fiel stets auf das 1. oder 3. Viertel. 
Dynamische Unterschiede liefs die Natur der Instrumente nur in geringem 
Umfange zu. Beim Studium der mitgetheilten Notenbeispiele ist zu be¬ 
achten, dafs die führenden Instrumente, also „die Banats und Kongs jede 
längere Note, vom Viertel angefangen durch ein Tremolo wiedergeben“. 
Die Musik der Siamesen besteht durchweg aus kurzen Tönen und kurzen 
Zusammenklängen. Diese Thatsache scheint mir keineswegs gleichgültig 
zu sein für die Frage nach der Entstehung des siamesischen Tonsystems 
und der überraschend geringen Bedeutung, die der Consonanz und Dissonanz 
dabei zukommt. — Bein musikgeschichtliche Erörterungen, zu denen einige 
der Stücke Anlafs geben, können hier übergangen werden. Die zunehmende 
Verbreitung europäischer Einflüsse läfst auch auf musikalischem Gebiete 
die Feststellung des eigenwüchsigen Fremden doppelt wünschenswerth er¬ 
scheinen. Den Schlufs der reichhaltigen Monographie bilden methodische 
Bathschläge für die Erforschung exotischer Musik, die Beschaffung des 
Materials (wozu der Phonograph empfohlen wird) und seine Uebersetzung 
in unsere musikalischen Vorstellungen. Die vorliegende Untersuchung ist 
ein Muster solcher methodisch sicheren Forschung, deren Nothwendigkeit 
und Werth dem Psychologen und Aesthetiker ebenso einleuchten mufs 
wie dem Musikhistoriker und dem Ethnologen. Krueger (Kiel). 
Yrjö Hirn. The Psychological and Sociological Study of Art. Mind, N. S. 9 
(36), 512—522. 1900. 
Einleitend erinnert der Verf. dieses sehr ansprechenden Artikels an 
die wechselnde Werthschätzung, welche die Aesthetik erfahren hat. Bald 
nachdem sie durch Baumgarten im Kreise der Wissenschaften einen Platz 
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errungen, gelangte sie rasch zu hohem Ansehen, besonders seitdem sie von 
Kant in der „Kritik der Urtheilskraft“ als Vermittlerin zwischen Vernunft 
und Sinnlichkeit bestimmt worden war. Als aber dieser Gegensatz als 
keineswegs unlösbar erkannt und der Dualismus durch den Monismus 
überwunden war, bedurfte man dieser Vermittlerin nicht mehr und die 
Aesthetik sank in der Achtung der Metaphysiker. Die Kunst aber, die zu 
Baumgarten’s Zeit gewissermafsen abgeschlossen schien und darum zum 
Aufstellen abstracter Gesetze wohl geeignet war, gewann bald wieder neue 
Lebenskraft und wuchs derart, dafs sie die aus viel Deduction und wenig 
Induction gewonnenen Gesetze der Aesthetik zu Schanden machte und
        

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