Bauhaus-Universität Weimar

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C. Stumpf. 
für musikalisch hält und es in der gewöhnlichen Praxis auch 
wirklich ist, gegen anscheinend weniger Musikalische zurück' 
tritt Ueber Meyers Versuchsperson G., von ihm als „gut 
musikalisch gebildeter und vielfach bewährter Beobachter“ be¬ 
zeichnet, will ich nur erwähnen, dafs ich denselben gleichfalls 
nebenbei zu den unten zu beschreibenden Versuchen heran- 
gezogen habe. Es fand sich, dafs er in einer Versuchsreihe 
mit sehr kurzen Zeiten, wo die Aufgabe gestellt war, das ge¬ 
hörte Intervall zu bezeichnen, unter 19 Fällen nur 3 richtige 
Urtheile abgab (sie fielen jedesmal auf die Terz), während ein 
wirklich gut musikalischer und geübter Beobachter unter genau 
gleichen Umständen unter 17 Fällen nur 3 verfehlte. 
Die sonstige Beobachtungsfähigkeit dieses unseres geschätzten 
Mitarbeiters wird dadurch natürlich nicht bestritten. Auch 
war Meyer’s Fragestellung leichter (nur „Einheit oder Mehr 
heit?“) und die Zeiten länger. So werden wir denn auch 
Mehreres aus seinen Ergebnissen bestätigt finden, während 
Anderes mit den erweiterten Erfahrungen im Widerspruch steht 
Aber eben die Entscheidung darüber, was ein individueller und 
was ein allgemeinerer Zug ist, läfst sich nur durch Vermehrung 
der Versuchspersonen gewinnen. Und dabei zeigen sich doch 
auch noch andere mehr formelle Unterschiede : in Hinsicht der 
Constanz der Ergebnisse, der Durchsichtigkeit der Tabellen 
überhaupt, endlich auch Unterschiede in der Fähigkeit und den 
Ergebnissen der Selbstbeobachtung der Einzelnen während der 
Versuche, die für die nachherige Verwerthung von grofser Be¬ 
deutung werden können. 
Durch Meyer’s Publikationen wurde R. Schulze veranlagt, 
Versuchsreihen zu veröffentlichen, welche er bereits 1891—93 
im Leipziger psychologischen Institut auf Grund ähnlicher Frage¬ 
stellungen gemacht hatte. Auf diese mufs ich etwas näher ein- 
gehen. 
In der ersten Versuchsreihe wurden Zusammenklänge ein¬ 
facher Töne (von Gabeln), welche im Verhältnis der ersten 
sechs harmonischen Theiltöne zu einander standen, in ver¬ 
schiedenen Combinationen (bald nur einer davon, bald drei 
vier etc.) in wechselnder Anordnung angegeben. Der Eindruck 
dauerte jedesmal 2 Secunden. Drei Beobachter, darunter ein 
sehr musikalischer, hatten die Aufgabe, zu sagen, ob sie einen oder
        

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