Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Palante: Le mensonge de groupe: étude sociologique. Rev. philos. 50 (8), 165-173. 1900
Person:
Giessler
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31916/1/
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Literaturbericht. 
Psyehismus verstehen als auch die ethischen Concepte, welche das Product 
der eigentlichen ethischen Erfahrung bilden. Die raschen Fortschritte der 
intellectuellen Cultur werden vom collectiven Psyehismus erst hervorge¬ 
bracht. Dabei mufs man bedenken, dafs die ethischen Erfahrungen den 
biologischen, physico-chemischen und mechanischen Erkenntnissen nicht 
vorausgehen können. Auch die wildeste Gesellschaft besitzt bereits eine 
rudimentäre Ideologie. Der intellectuelle und moralische Fortschritt erfolgen 
nur auf Grund einer Verbesserung der materiellen Existenz. 
Giesslek, (Erfurt). 
Novicow. Les castes et la sociologie biologique. Rev. philos. 50 (10), 361—373. 
1900. 
Die ganze Abhandlung bildet eine Polemik gegen eine Arbeit von 
Botjgklé: Sur la sociologie biologique et le régime des castes (Rev. philos. 
April 1900). B. hatte die Frage aufgeworfen, ob die Gesellschaften Organis¬ 
men seien, und ob die Gesetze der Biologie sich auf die Sociologie an¬ 
wenden liefsen. Er macht darauf aufmerksam, dafs die biologische Ent¬ 
wickelung in der Weise geschieht, dafs die einzelnen Theile eines thierischen 
Organismus, welche Anfangs in einer gewissen Unabhängigkeit von einander 
existiren, allmählich sich einheitlich dem Gehirn unterordnen. Umgekehrt 
verläuft die sociale Entwickelung. Ursprünglich sind die Individuen eng 
mit einander vereinigt, mit dem zunehmenden Umfang der Gesellschaften 
werden die Individuen freier. Ein Organismus ist um so vollkommener, je 
differentiirter seine Functionen sind. Dies Alles ist richtig. Jedoch darf 
man nach N. im socialen Organismus Functionen und Kasten nicht ver¬ 
wechseln, wie B. dies thut. Denn die Fähigkeiten, welche die Angehörigen 
einer Kaste haben, brauchen nicht dieselbe Qualität zu besitzen : z. B. kann 
sehr leicht ein der Kaste der Priester angehöriger Spröfsling kaufmännische 
Fähigkeiten besitzen. Freiheit ist im Grunde nichts Anderes als Differen- 
tiirung der Function in Unabhängigkeit vom Staate. Der Staat mufs die 
Bechte seiner Bürger schützen. B. hat also Unrecht, wenn er behauptet, 
dafs die organische Theorie sich mit der Freiheit nicht verträgt. Ferner 
verquickt B. die politische Gleichheit mit der socialen. In einer gut 
organisirten Gesellschaft mufs politische Gleichheit bestehen. Im Gegen¬ 
satz hierzu je vollkommener die Gesellschaft ist, um so gröfser die sociale 
Ungleichheit, ebenso die moralische und financielle. N. macht weiterhin 
darauf aufmerksam, dafs beim menschlichen Körper die Arbeitsleistung bis 
zum äufsersten getrieben, die Anpassung der Organe an die Function, 
ebenso das Gleichgewicht zwischen der centralen Kraft und den einzelnen 
Theilen vollendet ist. Könnten die menschlichen Gesellschaften dieses 
Modell nachahmen, so würde die Summe des Glücks sich verzehnfachen. 
Auch dies verkennt B. Giessler (Erfurt). 
PAlante. Le mensonge de groupe: étude sociologique. Rev. philos. 50 (8), 
165—173. 1900. 
Die verhältnifsmäfsig dürftige Studie führt im Anschlufs an Schopen¬ 
hauer 3 Beispiele von gesellschaftlichen Lügen an: Die optimistische Lüge
        

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