Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
M. W. Calkins: An Attempted Experiment in Psychological Aesthetics. Psychol. Review 7 (6), 580-591. 1900
Person:
Meyer, Max
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31900/2/
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Literaturbericht 
jahr. Die Collegestudenten waren weiblichen Geschlechts, die Schüler 
Knaben sowohl wie Mädchen. Nach vollzogener Wahl wurden alle drei 
Bilder zusammen gezeigt und Gründe für die Wahl verlangt. Aus den 
Kindergartenzöglingen war natürlich in dieser Hinsicht nicht viel heraus- 
zubringen; etwas mehr aus den übrigen Versuchspersonen. Die kleinen 
Kinder scheinen weniger dem ganzen Bilde als einzelnen Theilen, die 
ihnen bekannte Gegenstände darstellen, ihre Aufmerksamkeit zu schenken 
und demgemäfs ihre Wahl zu vollziehen. Ein Kind sagt z. B., der Engel 
sei am schönsten, denn er habe „Locken wie ich“. Aufserdem macht die 
Farbe einen starken Eindruck auf diese kleinsten Studenten. Die älteren 
Kinder betonen den Ausdruck einer Gemüthsbewegung, oder geben die 
Natürlichkeit des Bildes als Grund ihrer Wahl an. Für die Collegestudenten 
ist die Zeichnung, Pose und Bedeutung der Figuren von gröfstem Einfluß. 
Max Meyer (Columbia, Missouri). 
C. H. Sherrington. Experimentation on Emotion. Nature (2. Äug.), 328—330. 
1900. 
Verf. bringt gegen die bekannte, von Lange, James und Sebgi ver¬ 
tretene Theorie, dafs die Gefühle nicht die Ursache der sog. Ausdruck»- 
bewegungen seien, sondern umgekehrt die Wirkung derselben, das Be- 
wufstwerden der durch Wahrnehmungen oder Vorstellungen ausgelösten 
Vorgänge in den Muskeln, der Haut und den Eingeweiden, Experimente 
vor, die er an einem Hunde gemacht hat. Er hatte den Hund anästhetisirt 
und glaubte damit, für diesen eine Wahrnehmung jener inneren Vorgänge 
ausgeschlossen zu haben. Trotzdem beobachtete er sämmtliche Bewegungen, 
welche unter normalen Umständen auf bestimmte Gefühlserregungen ge¬ 
deutet werden. Und so scheint ihm die in Frage stehende Theorie durch 
das Experiment widerlegt zu sein. Offner (München). 
Ch. S. Myers. Experimentation on Emotion. Mind, N. S. 10 (37), 114-115. 
1901. 
Diesen Ausführungen hält Myers entgegen, dafs alle diese Ausdrucks- 
bewegungen auch von einem Hunde gemacht werden können, der die von 
uns aus ihnen erschlossenen Gemüthsregungen, Gefühle nicht hat. Es 
gehe zu weit anzunehmen, der Hund müsse in jedem Falle, wo wir dieee 
Bewegungen an ihm sehen, auch die entsprechenden Gefühle haben. Mag 
der Hund anästhetisch sein oder nicht, mag seine Gehirnrinde vorhanden 
sein oder nicht, geeignete Beize bewirken jederzeit ein Schweifwedeln, 
Zurücklegen der Ohren, eine Erweiterung der Pupillen und ein zwingender 
Beweis für — oder gegen, fügen wir hinzu — jenen begleitenden psychischen 
Factor, das Gefühl, ist in keinem Fall gegeben. So findet Myers die Lakoi- 
JxME’sche Theorie durch Sherrington’s Experiment keineswegs gefährdet 
Offner (München). 
J. Labguiers des Bancels. Les méthodes de l’esthétique expérimentale. Fima 
et couleurs. Année psychologique 6, 144—190. 1900. 
Die Arbeit ist ein ausführliches kritisches Beferat über die experi¬ 
mentellen Untersuchungen zur Aesthetik der Formen und Farben (Fechkbb, 
Witmer, Cohn, Major, Pierce). Sie kann als orientirende Uebersicht güte 
Dienste leisten. W. Stern (Breslau).
        

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