Bauhaus-Universität Weimar

Litera turbericht 
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lie Verff. nur sehr allgemein gehaltene Angaben. Sie sehen die Ursache 
1er qualitativen Verschiedenheiten einfach in einer Verstärkung oder 
Dämpfung von Obertönen. Diese Behauptung wird insofern durch die 
experimentellen Ergebnisse gestützt, als obertonreiche Töne in der That 
viel leichter als einfache Töne einohrig localisirt werden. Trotzdem scheint 
dem Referenten diese Erklärung nicht ganz überzeugend. Die Sache dürfte 
doch wohl nicht so einfach sein. Die Verff. suchten festzustellen, ob Tast¬ 
empfindungen irgend welche Rolle bei der Schalllocalisation spielen. Die 
Localisation war jedoch ebenso gut, wenn Tastempfindungen unmöglich 
gemacht oder wenigstens sehr erschwert waren. Die Bedingungen der 
Localisation dürften demnach gänzlich auf dem Gebiet des Gehörsinns zu 
suchen sein. Der Artikel enthält eine Anzahl anregender Thatsachen, aber 
von einer Lösung des Problems sind wir noch weit entfernt. 
Max Meyer (Columbia, Missouri). 
A. Bixet. Attention et Adaptation. Année psychologique 6, 248—404. 1900. 
Die Untersuchungen dienten einem differentiell-psychologischen Zwecke. 
Ihre Absicht war, einfache Methoden zu finden, durch welche die willkür¬ 
liche Aufmerksamkeit des Einzelnen in ihrer Leistungsfähigkeit gemessen 
werden konnte. Versuchspersonen waren 11 Schüler einer Elementarschule 
im durchschnittlichen Alter von 11 Jahren. Diese waren nach Angabe der 
Lehrer so ausgesucht, dafs 5 eine Gruppe recht intelligenter und 6 eine 
solche recht wenig intelligenter Schüler bildeten. An diesen Schülern 
wurden der Reihe nach die verschiedensten ,tests' angewendet: 1. Raum¬ 
empfindlichkeit der Haut, 2. einfache und Wahlreactionen, 3. Zählung von 
Punkten, die regelmäfsig in Linien oder unregelmäfsig in Haufen vertheilfc 
waren, 4. Wahrnehmung kleiner Aenderungen in der Geschwindigkeit von 
Metronomschlägen, 5. Zählung rhythmischer Metronomschläge, 6. Copiren 
von Ziffern, Sätzen und geometrischen Figuren, 7. Maximalgedächtnifs für 
Buchstaben und Zahlen, 8. Wahrnehmung und Wiedergabe momentan dar¬ 
gebotener Worte und Zeichnungen, 9. Anstreichen bestimmter Buchstaben 
in einem Text. Alle Versuche sind mehrmals in gewissen Zwischenräumen 
wiederholt worden. 
Als erfolgreich galten diejenigen Versuche, bei denen deutliche Unter¬ 
schiede zwischen den Gruppen der Intelligenten und Unintelligenten zu 
constatiren waren. Hauptergebnifs : obgleich die Versuche in keiner Weise 
die Intelligenz, d. h. die Auffassungsfähigkeit der Prüflinge, sondern nur 
eine bestimmte Anspannung der Aufmerksamkeit zum Gegenstände hatten, 
zeigten sie doch fast alle eine deutliche, oft sehr beträchtliche Differen- 
zining zwischen den Intelligenten und Nicht-Intelligenten, und zwar zu 
Gunsten der Ersteren. Keinen Erfolg nach dieser Richtung hatten nur 
die unter 2 und 4 genannten Versuche und die Erkennung momentan dar¬ 
gebotener Worte. Als besonders charakteristisch seien erwrähnt die Copir- 
versuche (6). Das Maafs war hier gegeben durch den Umfang und Inhalt 
derjenigen Elemente, welche in einen einzelnen Copirungsact zusammen- 
gefafst wurden; die Intelligenten fafsten im Durchschnitt 3,6, die Un¬ 
intelligenten 2,8 Ziffern zusammen; jene zerlegten einen Satz vorwiegend
        

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