Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Binet: Nouvelles recherches sur la consommation du pain, dans ses rapports avec le travail intellectuel. Année psychologique 6, 1-73. 1900
Person:
Stern, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31884/1/
Literaturbericht. 
Ill 
achtet bleiben darf das Eingreifen subjectiver Vorgänge, wie Ermüdungs¬ 
empfindungen und die rhythmische Betonung und Gruppirung der das 
Arbeitstempo markirenden Sinnesreize. Die subjectiven und die physio¬ 
logischen Ermüdungserscheinungen stehen zwar in enger Beziehung mit 
einander, aber sie sind keinesfalls zu identifie!ren. Als rein psychologische 
Fragestellungen bleiben die folgenden bestehen: „1. Wie verhalten sich 
die Ermüdungsempfindungen bei der Muskelermüdung zu andersartigen Er¬ 
müdungsvorgängen (etwa der Ermüdung durch intellectuelle Thätigkeit)? 
und 2. wie verhält sich der als Anstrengung bezeichnete Complex von 
Empfindungs- und Willensvorgängen (?) zu den Componenten in den Er¬ 
müdungsempfindungen, sind diese selbst verstärkte Innervationsempfin¬ 
dungen (?) oder von der Peripherie aus bedingt?“ „Mit dieser zweiten 
Frage ist dann unmittelbar die verknüpft, ob die Ermüdungsempfindungen 
eine Veränderung von Bewegungsempfindungen erhalten.“ 
Es ist wohl das erste Mal, dafs die Analyse des Ergogramms und der 
dasselbe bedingenden Verhältnisse in so klarer und überzeugender Weise 
durchgeführt wurde. Ohne die Verdienste des Erfinders des Ergographen 
in irgend einer Weise vermindern zu wollen, wird man diese Arbeit Robert 
Müller’s nur mit Dank und Genugthuung lesen können. Es mag mir 
erlaubt sein, schon hier auf eine demnächst erscheinende umfangreiche ergo- 
graphische Arbeit aufmerkam zu machen, die von meinem Collegen Z. Tbeves 
ausgeführt wurde, dessen Anschauungen und Ergebnisse sich mannigfach 
mit denen des Verf.’s berühren. Kiesow (Turin). 
A. Binet. Houvelles recherches sur la consommation dn pain, dans ses rapports 
avec le travail intellectuel. Ânnce psychologique 6, 1—73. 1900. 
Im vierten Jahrgang der Année psychologique hatte Binet eine Statistik 
des Brotconsums in einigen Lehrerseminaren gegeben, aus welcher sich, 
wie er meinte, eine Abhängigkeit dieses Consums von der Intensität der 
geistigen Leistungen ergab: in den Monaten angestrengter Examensarbeit 
war der Consum ein geringerer. Da eingewandt wurde, dafs hier andere 
Factoren mit von Einflufs gewesen sein könnten, so nimmt Binet dies 
Mal die Untersuchung, auf einer viel specialisirteren statistischen Grund¬ 
lage auf und sucht sämmtliche Factoren, die Einflufs auf den Brotconsum 
haben könnten, gesondert zu bestimmen. 
' Das Material wurde geliefert von einem Pariser Seminar mit etwa 120 
Schülern, in welchem ein Jahr hindurch Tag für Tag einerseits das Gewicht 
des consumirten Brotes, andererseits Temperatur, Barometerdruck, Speise¬ 
zettel und besondere physische oder psychische Leistungen der Schüler 
(wie Spaziergänge und Examensarbeiten) registrirt wurde. Die Tabellen 
füllen allein 20 Seiten der Arbeit. Verwerthet sind die Zahlen von Januar 
bis Juli. 
Die Ergebnisse stehen in keinem Verhältnifs zur angewandten Mühe. 
Das Hauptresultat ist eine starke Abnahme des Consums vom Winter zum 
Sommer hin. Anfang Februar werden pro Tag und Kopf 800 g, Anfang 
Juli 700 verzehrt. Der letztere Termin bezeichnet in dem Seminar die 
Prüfungen; so dafs in der That der starken Steigerung der intellectuellen 
Arbeit zum Sommer hin eine Abnahme des Brotverbrauchs parallel läuft.
        

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