Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
P. J. Möbius: Stachylogie. Weitere vermischte Aufsätze. Leipzig, J. A. Barth, 1901. 219 S
Person:
Schultze, Ernst
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31881/2/
Literaturbericht. 
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In einem weiteren Aufsätze („Ueber das Studium der Talente“) tadelt 
er die Methode des Vorgehens Lombroso’s bei seinen Studien über den 
genialen Menschen. Verf. verlangt Einzeluntersuchungen und ein Ausgehen 
von bestimmten Fähigkeiten. Bei der Besprechung des Talents soll die 
möglichst sorgfältige Prüfung des Menschen, bei dem das Talent im höchsten 
Grade beobachtet worden ist, den Kern der Arbeit ausmachen. Wie 
schwierig freilich die Begriffe des Talents und des Genies, die, da sie nur 
quantitativ verschieden sind, nicht scharf von einander getrennt werden 
können, gegebenenfalls abzugrenzen sind, zeigt Verf. an den Beispielen der 
Musik, Malerei und Bildhauerkunst, Architektur, Dichtkunst. Auch die 
Uebergänge müssen natürlich studirt werden, sowie Heredität, die Jugend¬ 
zeit, die anderen Eigenschaften der Begabten. Insofern ist das Talent 
immer etwas Pathologisches, als es einer Störung des normalen Gleich¬ 
gewichts der geistigen Fähigkeiten entspricht. 
Das Talent zu den bildenden Künsten und zur Musik ist, wie M. im 
folgenden Aufsatze („Ueber die Vererbung künstlerischer Talente“) ausein¬ 
andersetzt, gleich dem mathematischen Talent angeboren und findet sich 
oft mehrfach in einer Familie. Die Vererbung gehe in erster Linie vom 
Vater aus. Die Mutter spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle, ohne 
dafs ihre Beschaffenheit gerade gleichgültig wäre. Das weibliche Talent 
findet sich nur recht selten. Das künstlerische Talent des Mannes ver¬ 
gleicht er geradezu mit einem secundären Geschlechtszeichen, wie es der 
Bart ist. 
In naher Beziehung zu diesen Aufsätzen stehen die beiden folgenden 
Abhandlungen („Ueber einige Unterschiede der Geschlechter“, „Ueber den 
physiologischen Schwachsinn des Weibes“), in denen das Weib wenig gut 
wegkommt. Worauf er hinaus will, sagt M. selbst mit folgenden Worten: 
„Die Aufgabe des Mannes ist, zu zeugen, die des Weibes, zu gebären und 
das Kind zu pflegen. Die männliche Thätigkeit ist sehr rasch erledigt, die 
weibliche füllt einen grofsen Theil des Lebens aus. Es ist daher nicht 
erstaunlich, wenn auch im geistigen Sinne das Geschlechtliche den Kern 
und das Wesen des weiblichen Lebens bildet, während es für das Bewufst- 
sein des Mannes eine Episode ist.“ Ohne Mann keinen Fortschritt, sondern 
allgemeine Stagnation. In dem zweiten Aufsätze wird die geistige In¬ 
feriorität des Weibes im Vergleich zum Manne noch schärfer zum Ausdruck 
gebracht. Er hebt darin weiter hervor, dafs die dem Weibe karger zu¬ 
bemessenen Geistesgaben viel schneller abblassen als beim Manne. Der 
Schwachsinn des Weibes ist nicht nur ein physiologisches Factum, sondern 
auch ein physiologisches Postulat. Daher weg mit dem Intellectualismus 
des Weibes. Auf die Nachschrift, in der er sich mit seinen Kritikern aus¬ 
einandersetzt, sei besonders hingewiesen; hier genüge nur, die eine Be¬ 
merkung mitzutheilen, dafs noch Niemand den Muth gefunden habe, ihm 
öffentlich zuzustimmen. — 
In einem letzten Aufsätze, betitelt „Ueber Mäfsigkeit und Enthaltsam¬ 
keit“ sucht er die Gegensätze auszugleichen, die zwischen den zwei 
Richtungen der directen Bekämpfung des Alkoholismus, den Mäfsigen und 
den Enthaltsamen, bestehen, und den Nachweis zu erbringen, dafs ange¬ 
sichts der Uebereinstimmung beider Parteien über die Schädlichkeit und
        

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