Bauhaus-Universität Weimar

Literaturhericht. 
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zu können und ganz und gar in die Scholastik gehört die Verwendung, 
die der Grundbegriff seiner gesammten Philosophie, der des „Unbe- 
wufsten“ findet. Dieses negative Neutrum, welches zunächst nur aus¬ 
sagt, dafs eine bestimmte Eigenschaft nicht vorhanden ist, wird nun zum 
eus realissimum hypostasirt ; zugleich aber wird alles und zwar das 
Disparateste, in den Begriff hineingeworfen, sobald es jener „bewufsten“ 
Eigenschaft ermangelt : die absolute Thätigkeit des Weltgrundes ebenso wie 
die physiologischen Vorgänge im Nerven. Aber ist denn jemals das N icht- 
haben einer Eigenschaft ein Grund gewesen zu einer metaphysischen 
Identification? Umfafst der Begriff des Nicht-Schwarzen noch irgend eine 
sachliche Einheit, wenn ich das Weifse, die Liebe und den Rosenduft — 
denn alle drei sind nicht schwarz — hereinnehme? Was vielleicht unter 
einem speciellen methodologischen Gesichtspunkt gerechtfertigt ist : 
- gegenüber einem bestimmten Erscheinungscomplex (z. B. dem des Be¬ 
wusstseins) alles andere unter einem gemeinsamen Begriff zusammenzu- 
fassen — es ist völlig ungerechtfertigt als metaphysische Synthese. Der 
Begriff des Unbewufsten, den die Psychologie und die Philosophie so 
nöthig brauchten, er war in der H.'schen Verallgemeinerung für sie einer 
wirklichen Verwendbarkeit baar geworden. Wenn auch H. dann wieder 
den so postulirten Begriff in seine verschiedenen Arten zerlegt, es bleibt 
doch die Scheidung das Secundäre, die Identification das Primäre und der 
Grundfehler ist dadurch nicht wieder gut zu machen. 
In dem vorliegenden Buche ist in dieser Beziehung ein grofser Fort¬ 
schritt zu constatiren. H. giebt selbst zu, dafs er jetzt die verschiedenen 
Categorien des Unbewufsten viel schärfer und principieller gegen einander 
abgrenzt als früher, wo es ihm ausgesprochener Maafsen auf die Betonung 
des Gemeinsamen ankam. Die positiveren Unterscheidungsmerkmale: 
synthetische Thätigkeit, Wollen, materielle Erregungen tauchen doch schon 
viel häufiger aus dem negativen Nebelmeer des Unbewufsten heraus. Je 
weiter der geschätzte Denker auf diesem Wege fortschreitet, um so mehr 
Ertrag wird die Metaphysik im Allgemeinen und die Psychologie im 
Besonderen aus seiner Gedankenarbeit erhoffen dürfen. 
W. Stern (Breslau). 
j. Jastrow. Some Currents and Undercurrents in Psychology. (President's 
Address, Amer. Psychol. Ass.) Psychol. Revieic 8 (1), 1—26. 1901. 
Jastrow bespricht in diesem Artikel verschiedene Strömungen, die 
sich gegenwärtig in der Psychologie, namentlich in Amerika, bemerkbar 
machen. Er drückt den Wunsch aus, dafs dem functionellen Gesichts¬ 
punkte in der Psychologie, besonders im psychologischen Einführungs¬ 
unterricht, ein bedeutenderer Platz zugewiesen werde. Er illustrirt diesen 
Gesichtspunkt durch Hinweis auf die Vorzüge gröfserer Sehschärfe in der 
Centralgrube im Vergleich zu einer mehr diffusen Gesichtsempfindung 
ohne Fovea; auf die wunderbaren Coordinationen des binoculareu Sehens, 
die zweifellos ein spätes Entwickelungsproduct sind. Er erwähnt ferner 
die dreifache Weise, in der psychologische Probleme in neuerer Zeit in 
Angriff genommen zu werden pflegen, nämlich als Probleme der genetischen, 
normalen und abnormen Psychologie, und zeigt die Bedeutung dieser
        

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