Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
O. Hölder: Anschauung und Denken in der Geometrie. Hab. Leipzig, Teubner 1900. 75 S
Person:
Zindler
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31628/1/
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Literaturbericht. 
-Vorstellungen, an welche die eigentlichen Traum Vorstellungen, erst an* 
knüpfen. Doch bedarf das Psychische auch im Traumzustande zu seiner 
Entwickelung immer eines bestimmten Grades von Energie, die ihn. vom 
Physiologischen aus zufliefst, so dafs man auch 'bei den letztgenannten 
Träumen Reizzustände annehmen mufs, die entweder bereits die vorstehende 
Thätigkeit während des Vorstadiums beeinflussen, im eigentlichen. Traume 
.wirksamer werden, oder aber Reize, die zu den im Vorstadium wirkenden 
neu hinzukommen und die Wirksamkeit letzterer verstärken helfen.. — .Die 
Beantwortung der Frage, ob die Verbrecher von ihren Verbrechen träumen 
oder nicht, wird durch das Heranziehen von Analogien aus dem Traumleben 
normaler Personen erleichtert. Es ist ein© Thatsache, dafs die Erinnerung 
an Ereignisse, welche unser Ich tiefer ergriffen, hatten, im Traume nicht 
so leicht wiederkehrt. Offenbar nämlich bildet die Bedingung für die 
Wiederkehr eines Ereignisses die Möglichkeit der nämlichen physiologischen 
Erregung. Im Traumzustand aber erlangt di© Erregung in. Folge der 
mangelnden physiologischen Resonanz nicht den hohen Grad wie im wachen 
Leben. Dies findet auch auf den Verbrecher Arwendung. — Zu den Kranken 
mit charakteristischen Träumen glaubt Ref. auch die an Verfolgungswahn 
Leidenden rechnen zu dürfen. — Uebrigens widmet auch schon Spitta der 
Behandlung potenzirter Träume in foro ©inen Abschnitt seines Werkes. 
Möchte Verf. recht bald seine Forschungen auf diesem für die Praxis m 
wichtigen Gebiete weiter fortsetzen 1 Giessleb (Erfurt). • 
O. Holder. Anschauung und Denken In der Geometrie. Hab. Leipzig, Teubner 
1900. 75 S. Mk. 2.—. 
Dem Zwecke dieses Gelegenheitsvortrag® entsprechend werden einige 
von den Philosophen und den Mathematikern viel behandelten Fragen über 
die Grundlagen der Geometrie herausgegriffen und in zwangloser leicht 
fafslicher Form besprochen, u. A., ob die geometrischen Grundbegriffe und 
Axiome empirisch gewonnen oder uns durch den Wahrnehmungsvorgang 
selbst als Form desselben aufgezwungen werden. Der Verf. bekennt sieh 
zur ersteren Ansicht und erläutert an Beispielen di© Versuche, unabhängig 
von geometrischen Messungen oder Ueberlegungen zu den einfachsten geo¬ 
metrischen Grundbegriffen zu gelangen. Am Beweis des Satzes von der 
Winkelsumme im Dreieck wird der Vorgang der Deduction selbst aualysirt 
und geprüft, welcher Antheil dabei noch der Anschauung zukommt. Litera¬ 
turangaben und weitere Ausführungen, die im mündlichen Vortrag© nicht 
Platz finden konnten, sind in die „Anmerkungen und Zusätze“ verwiesen, 
die den zweiten umfangreicheren Theil des anregenden Schriftchene ais¬ 
machen. Zxhbler (Innsbruck). 
W. B. Secob. Tisial Betding: A Study In Mental Imagery. (Psychd. Labor, 
of Cornell University 19.) Amer. Joum. 11 (2), 225—236. 1900. 
Verf. glaubt feststellen zu können, dafs man vom gelesenen visielei 
Wortbilde aus ohne Dazwischenkunft der Gehörsvorstellung und Articulation* 
tendenz direct zum Sinn gelangen kann. Er vertraut der Introspection, 
welche sich eben nur erst nach ungestörter Hingabe an den Text als un¬ 
mittelbare Erinnerung auf das Erlebnifs richten müsse. Zunächst werden
        

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