Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Oskar Zoth: Ueber den Einfluß der Blickrichtung auf die scheinbare Größe der Gestirne und die scheinbare Form des Himmelsgewölbes. Pflüger's Archiv für die ges. Physiol. 78, 363-401. 1899
Person:
Ettlinger
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31621/1/
Literaturbericht. 
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kehrung der Täuschung im Liegen verträglich sei. Da nun aus seinen 
Versuchen im Gegentheil sogar eine kleine Steigerung der Täuschung im 
Liegen resultirt, so glaubt er jener Muskelanstrengung einen wesentlichen 
Ein Aufs auf die Täuschung absprechen zu müssen. Die HBLMHOLTz'sche 
Theorie ferner erkläre das thatsächliche Ergebnifs zwar nicht, sei mit ihm 
aber auch nicht unverträglich. Unter den verschiedenen Behandlungen 
der Frage erscheint ihm diejenige von Th. Lipps als „the most complete 
thing*. Im Einzelnen zeigt sich der Grad der Täuschung von der jeweiligen 
Unterschiedsempflndlichkeit unabhängig und für gröfsere Strecken geringer 
als für kleinere. Die erheblichen persönlichen Differenzen beziehen sich 
nur auf das absolute Maafs der Täuschung, und nur wenig auf den relativen 
Einflufs der verschiedenen Versuchsbedingungen. 
Wirth (Leipzig). 
Oskaä Zorn, Ueber den Einfluß der Blickrichtung auf die scheinbare GrBfse 
der Gestirn* und die scheinbare Form des BlmmelsgevSlbes. Pflügers 
Archiv für die gee. Physiol. 78, 363—40!. 1899. 
Z. will zur Erklärung der besagten Erscheinungen ein neues, maafs' 
gebendes Moment liefern. Seinem Grundvereueh zu Folge besteht die 
Täuschung über die Grd fee des Mondes fort, auch wenn man nichts von 
dessen Umgebung sieht. Ueber die scheinbare Entfernung ist dabei 
kein sicheres Urtheil möglich. Die Ursache soll in der Blickrichtung 
liegen, in deren Verhältnis zur Frontalebene des Kopfes, nicht etwa zur 
Horizontale des Raums. Betrachtet man, auf dem Rücken liegend, den 
hochstehenden Mond mit gerader Blickrichtung, oder das- aufgehende Ge¬ 
stirn vorgebeugten Kopfes mit stimwärts gewandten Augen, so ergeben 
sich Täuschungen, welche den gewöhnlichen entgegengesetzt sind. Die 
meisten Versuche gelingen auch ohne Abdeckung des Firmaments. Auffällig 
ist das Wachsen der Täuschung mit der Zeitdauer des Betrachten«. Eine 
Bestätigung ergiebt Localisation eines und desselben Nachbildes auf¬ 
wärts und gerade aus, wobei doch über die Entfernung kein Urtheil mög¬ 
lich ist. Gleichartige Täuschungen ergeben sich auch für ferne irdische 
Objecte, wenn kein Anhaltspunkt für die Gröfse ihrer Entfernung da ist. 
Bei verhältnifsmäfsig nahen Objecten aber, z. B. schwachglühendem 
Draht Im Dunkeln, wird die Gröfsentäuschung sehr undeutlich und die 
Entf ernnngstäuschung markant: Das mit geradem Blick Betrachtete er¬ 
scheint näher. 
Aber auch bei manchen verhältnifsmäfsig nahen Objecten findet eine 
beträchtliche GröfsenUnterschätzung statt, wenn man sie mit erhobenem 
Bück betrachtet, so z. B. hei Thurmuhren und Bogenlampen. 
Gelegentlich tritt aber auch andererseits das Dis tanz moment bei 
Sonne und Mond deutlicher hervor. Aber nicht so, dafs diese am Horizont 
gröfser erscheinen, weil weiter (nach Heliœoltz u. A.), sondern je gröfser, 
desto näher. Sie schweben scheinbar im Raum vor dem Himmelsgewölbe. 
Im zweiten Tb eile seiner Abhandlung deutet Z. eine physiologische 
Erklärung an. Nach Hbbing u. ä. begünstigt die Senkung der Blickebene 
eine Vergröfserung, die Hebung eine Verkleinerung des Convergenzwinkels 
der Gesichtslinien. Dies geschieht rein mechanisch. Daher bedarf es bei
        

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