Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
H. E. Hering: Ueber Großhirnreizung nach Durchschneidung der Pyramiden oder anderer Theile des centralen Nervensystems mit besonderer Berücksichtigung der Rindenepilepsie. Wiener klin. Wochenschr. 12 (33), 831-833. 1899
Person:
Merzbacher
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31593/1/
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Literaturbericht. 
Es liefe sich auch eine gewisse Localisation nachweiaen. Bei Zer¬ 
störungen nach vorne zu waren mehr die Flügel betheiligt, während Bein 
und Fufs mehr durch die Exstirpation eines weiter nach hinten gelegenen 
Hirntheiles in Mitleidenschaft gezogen wurden. 
Noch unsicher ist die Frage, ob bei Schädigung des Occipitallappens 
auch Sehstörungen sich einstellen, und es stehen ferner noch histologische 
Untersuchungen aus. 
Die zweite Abhandlung beschäftigt sich mit den Ergebnissen elek¬ 
trischer Reizung der Hirnrinde und mit Localisationsbestrebungen. Der 
Verf. glaubt auch bestimmte motorische Centren festgestellt zu haben, die 
im Allgemeinen die bekannten Thatsachen aus den analogen Versuchen an 
Säugethieren wiedergeben. Für Zunge- und Kieferbewegungen fand er an 
symmetrischen Punkten beider Hemisphären Erregungscentren. Vom 
Hinterhauptslappen liefsen sich Augenbewegungen auslösen. Besonders 
erwähnenswerth erscheint die Thatsache, dafs eine Abhängigkeit der Er¬ 
regbarkeit von gewohnten Thätigkeiten erkannt werden konnte, so dafs 
besonders geübte Bewegungen besonders leicht von der Hirnrinde aus 
ausgelöst werden konnten. L. Mebzbacher (Strafsburg i. E.) 
H. E. Hering, lieber Grofshirnreizong nach Durchschneldung der Pjrurida 
oder anderer Theile des centralen Nervensystems mit besonderer Bertel* 
sichtignng der Rindenepilepsie. Wiener klin. Wochenschr. 12 (33), 831—833. 
1899. 
Nach Reizung der Extremitätenregionen der Hirnrinde bei durch¬ 
schnittenen Pyramiden konnte Hering bei Hunden Bewegungen in der 
ungleichseitigen und bei Verstärkung des Reizes in sämmtlichen Extremi¬ 
täten hervorrufen. Auf diese Weise gelang es ihm, die Existenz einer 
zweiten corticofugalen Bahn nachzuweisen, die in ihren topographischen 
Verhältnissen durch Combination von Hemisectionen in der Medulla oblongata 
und Rückenmark näher bestimmt werden konnte. Sie zieht demnach durch 
die Capsula interna, kreuzt sich oberhalb der Medulla oblongata und ver¬ 
läuft in den Seitensträngen des Rückenmarks. 
Durch Vermittelung eben derselben corticofugalen Bahnen konnte be¬ 
stehender Strecktonus gehemmt und klonische Krämpfe („Rindenepilepsie“, 
d. h. den Reiz überdauernde klonische Krämpfe) ausgelöst werden. 
Analoge Versuche am Affen brachten bezüglich der Function der 
corticofugalen Bahnen wesentliche Unterschiede dem Hunde gegenüber: 
1. Die Pyramidenbahnen vermitteln beim Affen hauptsächlich die 
isolirten Bewegungen der contralateralen Seite; die contralaterale Bahn 
des Affen ist schwerer erregbar und functionirt nur associirt mit der 
homolateralen, während die analoge Bahn des Hundes leicht erregbar ist 
und isolirte Bewegungen vermittelt; 
2. die homolaterale Bahn des Affen besitzt eine detaillirte Function 
und ist leichter erregbar als beim Hunde. 
Als allgemeines Resultat aus den Untersuchungen beider Thierarten 
ergiebt sich: 
Specifische Hemmungsbahnen lassen sich nicht aufstellen, sondern es
        

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