Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Preyer: Die Seele des Kindes. 5. Auflage. Nach dem Tode des Verfassers bearbeitet u. herausgegeben v. Karl L. Schaefer. Leipzig, Th. Grieben, 1900. 448 S
Person:
Ufer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31590/1/
420 
Literaturbericht. 
Das eifrige Studium des sogen. Seelenlebens bei niederen Thieren mit 
verhältnifsmäfsig einfachem Gehirn mufs den psychologischen Fragen nach 
der Bedeutung und dem Zusammenhang cerebraler Bildungen mit psychi¬ 
schen Erscheinungen höherer Ordnung vorangehen. 
Merzbacheb (Strafsburg i. E.) 
Otto Wiener. Die Erweiterung unserer line. (Hab.) Leipzig, Barth, 1900. 
43 S. 
Im Änschlufs an eine Aufzählung zahlreicher feinster Instrumente, 
welche die moderne Technik auf Grund der entwickelten physikalischen 
Erfahrungen herstellen konnte, wirft Verf. die Frage auf, welche Bedeutung 
die dadurch gewonnene Erweiterung unserer Sinne für die Erkenntnis¬ 
theorie gewinnen kann und giebt einen Ausblick auf die Möglichkeit, uns 
mit Hülfe einer einheitlichen und erweiterten Theorie einstmals frei 
machen zu können von der Beschränkung, die uns die besondere Natur 
unserer Sinne auferlegt. Den Versuch zu einer solchen Theorie, die alle 
physikalischen Erscheinungen auf Bewegungen gleichartigen Stoffes 
zurückführt, hat Herz in seinen „Principien der Mechanik“ hinterlassen. 
Merzbacheb (Strafsburg i. E.). 
Preyer. Die Seele des Kindes. 5. Auflage. Nach dem Tode des Verfassers 
bearbeitet u. herausgegeben v. Karl L. Schaefer. Leipzig, Th. Grieben, 
1900. 448 S. 
Der neue Herausgeber, ein Schüler des Verf.'s, bezeichnet das vor 
zwanzig Jahren zum ersten Male erschienene Werk mit Recht als die noch 
immer reichlich fliefsende Quelle, aus der andere Autoren zu schöpfen, 
pflegen, und auch darin mufs man ihm Recht geben, dafs er den Text, 
soweit irgend thunlioh, unverändert gelassen hat. Am meisten haben di© 
Abschnitte über die Entwickelung der Sinne Verbesserungen und Er¬ 
gänzungen durch den Herausgeber erfahren, wobei die neueren Forschungs¬ 
ergebnisse berücksichtigt wrorden sind. Auch die Ausführungen über das 
Sprechen lernen weisen Zusätze aus der neueren und neuesten Literatur 
auf (Lindner, Ament, Oltüszewsky u. A.). 
Ob die Zusätze des Herausgebers nicht noch etwas reichlicher hätten 
ausfallen können, kann dahingestellt bleiben, denn was man in dem Preyeb- 
schen Werke vor allen Dingen sucht, das sind die Beobachtungsergebnisse 
von Preyer selbst. Ihnen verdankt es seine Stellung in der Geschichte 
der Kinderpsychologie und seinen dauernden Werth. 
Da wir einmal die Geschichte der Kinderpsychologie erwähnt haben, 
so mag noch darauf hingewiesen werden, dafs auch in der 5. Auflage des 
PREYER’schen Buches (S. 353) noch von Tiedemann’s rMemoiren“ die Rede 
ist. Aus der Benennung, die Preyer von Perez übernommen hat, geht her¬ 
vor, dafs das Original Preyer nicht zu Gesicht gekommen ist. Da es sich 
hier um die ersten Anfänge der biographischen Methode auf dem Gebiete 
der Kinderpsychologie handelt, so mag auf Folgendes hingewiesen werden. 
Die Tiedemann’sehen Aufzeichnungen erschienen, wie ich aus Tdbdemann’s 
Psychologie ermitteln konnte, 1787 in den „Hessischen Beiträgen zur Ge¬ 
lehrsamkeit und Kunst“ unter dem Titel „Beobachtungen über die Ent-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.