Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
G. Sommer: Uber die Zahl der Temperaturpunkte der äußeren Haut. Sitzungsberichte d. Physikal.- med. Gesellschaft zu Würzburg, Jahrg. 1901
Person:
Kiesow
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31550/2/
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Literaturbericht 
Die Vertheilung der Temperaturpunkte, wie sie der Verf. an ver¬ 
schiedenen Körpertheilen an sich selbst und einem intelligenten 9 jährigen 
Kinde fand, ist in einer w’erthvollen Tabelle zusammengestellt. 
Kiesow (Turin). 
L. Heine. Sehschärfe and Tiefenwahrnehmung. v. Graefe's Arch. f. Ophthalm. 
51 (1), 146-173. 1900. 
— Ueber Orthoskopie oder fiber die Abhängigkeit relativer Eatfen&iiags- 
schätsnngen von der Vorstellung absoluter Entfernung. Ebenda 51, 563—572. 
H. hat die Beziehungen der beiden Functionen, der Sehschärfe und 
des Tiefenwahrnehmungsvermögens einer eingehenden Untersuchung unter¬ 
worfen. Während die Sehschärfe, welche wiederum von dem Wahr¬ 
nehmungsvermögen für die seitliche Lageverschiedenheit (Hebikg) zu 
trennen ist, monocular bestimmbar ist, stellt die feinere Tiefen Wahr¬ 
nehmung den vollkommensten Grad binocularen Sehens dar. Indem Verf. 
von der HEKiNo’schen Erklärung binocularer Tief en Wahrnehmung auf Grund 
der Disparation der Netzhautbilder ausgeht, bestimmt er die kleinste „bin- 
oculare Querdisparation“ (Tiefenwahrnehmung) durch drei in einer frontalen 
Ebene stehende Stäbe, deren mittlerer sagittal verschieblich ist und so die 
Messung der kleinsten noch wahrnehmbaren Entfernungsdifferenz gestattet 
Es ergab sich, dafs bei normaler Sehschärfe und gleicher Refraction auf 
beiden Augen Entfernungsunterschiede, die einer Querdisparation der Netz¬ 
hautbilder von 1 (i entsprechen (d. h. bei Prüfung in 5 m eine Verschiebung 
von 25 mm. nach vorn oder hinten vom Nullpunkt) erkannt werden. Durch 
ungleichen Refractionszustand beider Augen, sowie verminderte Sehschärfe 
kann dieses Maafs ebenso eine Vergröfserung wie durch Steigerung der 
Sehschärfe eine Verminderung erfahren. Dieses Resultat beruht auf einer 
Untersuchungsmethode, bei welcher das Wahrnehmungsvermögen von Ent¬ 
fernungsdifferenzen verticaler Contouren (differente Bilder auf verticalen 
Netzhautmeridianen) bei ruhendem Blick geprüft wird, da Entfernungs¬ 
differenzen horizontaler Contouren ohne Bewegungen der Augen nicht er¬ 
kannt werden können. H. wies nach, dafs auch bei einer Uebereinander- 
stellung der Augen durch geeignete prismatische Anordnung die Differenz 
der Bilder in den horizontalen Meridianen das Erkennen von Entfemungs- 
differenzen horizontaler Contouren nicht zu Stande kommen läfst, jenes 
Vermögen also auf die verticalen Meridiane beschränkt ist. Zur Erklärung 
der Feinheit der Tiefenwahrnehmung nimmt H. eine nervöse Doppeltver¬ 
sorgung der Macula lutea an, die durch centrale Commissuren bedingt, die 
Verschmelzung der zwei differenten Bilder beider Augen zu Einem Bilde 
ermöglicht. Schematische Zeichnungen dienen zur Veranschaulichung 
dieser theoretisch postulirten centralen Verbindung. 
In einer zweiten Abhandlung hat Verf., einer Anregung Hering’s 
folgend, die binoculare Tiefenwahrnehmung als solche untersucht, wie weit 
wir im Stande sind, ausschliefslich auf Grund dieser das Verhältnifs der 
Tiefendiinen8ionen eines Gegenstandes zu seinen übrigen Dimensionen 
richtig (orthoskopisch) zu sehen. Da mit der Entfernung eines Gegen¬ 
standes die Incongruenz seiner Netzhautbilder geringer wird, nehmen auch
        

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