Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
J. M. Vold: Ueber Hallucinationen, vorzüglich Gesichts- Hallucinationen, auf der Grundlage von cutan-motorischen Zuständen und auf derjenigen von vergangenen Gesichts- Eindrücken. Zeitschrift für Psychiatrie 57, 834-865
Person:
Giessler
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31533/2/
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Literaturberichl. 
einen begrenzten Abschnitt eines Körpers, namentlich wenn bei einem 
Körpertheil in Wirklichkeit eine motorische Form vorliegt. Hier roufs 
man ebenfalls annehmen, dafs die Gesichtsbilder cutan-motorisch veranlafst 
sind, ähnlich wie bei den an Anästhesie leidenden Personen. Von be¬ 
sonderem Interesse sind die Hallucinationen von Gesichtern im hypna- 
gogischen Zustande. Es sind Zeichen von cutan-motorischen Facies-Aus- 
lösungen. Denn warum würden sonst gerade Gesichter erscheinen and 
nicht viel mehr andere Gegenstände?! Auf den cutan-motorischen Ursprung 
deutet auch der Umstand, dafs die Gesichter Fratzen schneiden. Der 
Tonus sämmtlicher Muskeln des Gesichts wird nicht immer gleichzeitig 
und in derselben Weise geändert, z. B. in dem Augenblick, wo die Mund¬ 
winkel vorzüglich erregt sind, kann also ein gesehenes Gesicht mit ver¬ 
zogenem Munde herbeigerufen werden. Aehnlich kommen auch bei Epi¬ 
leptikern Fratzen vor. — 
Die verdienstvolle Arbeit bildet eine Fortsetzung der Traumexperimente, 
in denen Vold bereits Bedeutendes geleistet hat. Besonders werthvoll 
sind die gefundenen Analogien zwischen den Traumbildern und den 
Gesichtsbildern von Geisteskranken. Jedoch scheint es mir, als ob bei der 
causalen Erklärung der Zustand der inneren Organç zu wenig berück¬ 
sichtigt wurde. Dafs letztere dabei eine Rolle spielen, davon zeugen schon 
die zahlreichen Experimente von Weygandt (Entstehung der Träume, 
Leipzig 1893). Giesslrr (Erfurt). 
Hans Raeck. Der Begriff des Wirklichen. Eine psychologische Untersuchung. 
Halle a. S., Max Niemeyer, 1900. 89 S. 
Der erste Theil dieser Untersuchung, der sich als „historisch-kritische 
Betrachtung1* bezeichnet, ist bereits in dieser Zeitschrift angekündigt worden. 
In unveränderter Gestalt erscheint er hier wieder und zugleich mit ihm 
der zweite Theil, der den Titel führt „Neue Behandlung des Gegenstandes“. 
Der Grundgedanke des Verf.’s ist, dafs das Wirklichkeitsbewufstsein seinem 
Wesen nach Selbstverlorenheit in Etwas ist, das als vom Ich verschieden 
erscheint. Dem scharfsinnigen Verf. auf all den vielYerschlungenen Wegen 
der Deduction und der Vertheidigung seines Satzes zu folgen, kann unsere 
Aufgabe nicht sein. „ Offner (München). 
C. Bos. Les croyances implicites. Rev. philos. 50 (7), 33—46. 1900. 
Der Glaube spielt in allen Stadien unserer sinnlichen Activität eine 
Rolle. Das Negiren bezw. Zweifeln ist auch eine Form des Glaubens. Es 
gehört dazu unter Umständen sogar ein hohes Maafs von Kraft, nach Baco 
z. B. zum Leugnen der Existenz Gottes. Also unser Glaube erstreckt sich 
nicht allein auf das, was wir bejahen, sondern auch auf das, was wir ver¬ 
neinen. Der willkürliche Glaube ist nur der Kern des impliciten Glaubens. 
Letzterer bildet die gröfsere Masse unseres Glaubens, er kommt meist erst 
dann zur Geltung, sobald er auf ein Hindemifs stöfst. Der implicite 
Glaube ist an unseren Instinct gebunden. — Schon auf der Basis unseres 
Lebens steht der implicite Glaube als ein Postulat. Denn w-ir können 
nicht einmal essen, ohne zu glauben. Aufserdem ist er die Bedingung 
einer jeden der psychischen Erscheinungen, welche uns nothwendig er¬ 
schienen sind zur Constituirung des expliciten Glaubens. Alle Perception
        

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