Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
V. P. Ossipow: Ueber die physiologische Bedeutung des Ammonshornes. Archiv für Physiologie (Suppl.-Bd.), 1-32. 1900
Person:
Moskiewicz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31521/1/
118 
Literaturbericht. 
aufhört und die frühere Erregbarkeit wieder eintritt, sobald für Fort¬ 
schaffung der Ermüdungsstoffe gesorgt wird, z. B. durch Durchströmmig 
des Frosches mit einer Kochsalzlösung, und wenn ferner dem Frosche ge¬ 
nügend Ersatziuaterial (hauptsächlich Sauerstoff) z. B. durch Einspritzen 
von O-haltigem Blute zur Verfügung gestellt wird. 
Die Erscheinungen der Ermüdung sind also am Centralnerveneystem 
dieselben wie am Muskel, die Lähmung setzt sich auch hier aus zwei Com- 
ponenten zusammen : 1. Lähmung durch Zerfallsproducte, 2. Lähmung durch 
Mangel an neuem Material. Erstere nennt Verf. Ermüdung, letztere Er- 
Schöpfung. 
Zur Erholung bedarf es also der Fortschaffung der Zerfallsproducte 
und des Hinzutretens von Ersatzmaterial (hauptsächlich des Sauerstoffes). 
Letztere Thatsache stimmt gut überein mit den Anschauungen von Pflüge* 
und Hermann über die Constitution des Eiweifsmolekttls, welches erst durch 
Hinzutritt von Sauerstoff labil und dadurch zerfallsfähig wird. Wenn es 
auf äufsere Reize hin zerfällt, so verbindet sich der Sauerstoff mit den 
stickstofffreien Substanzen und spaltet sich ah. Der zurückbleibende Kern 
ist dadurch stabil geworden und wird erst wieder durch Hinzutritt von 
neuem Sauerstoff labil. So ist es auch bei dem durch Strychnin vergifteten 
Rückenmark. Das Strychnin erhöht die Erregbarkeit seiner Ganglienzellen, 
d. h. deren Neigung zum Zerfall. Solange genügender Sauerstoff vorhanden 
ist, kann sich das Eiweifsmolekül (Verf. nennt es Biogen) regeneriren und 
von Neuem zerfallen; ist aller Reservesauerstoff der Zelle verbraucht, so 
tritt Lähmung ein, wenn nicht von aufsen neuer Sauerstoff zugeführt wird. 
Moskiewicz (Breslau). 
V. P. Ossipow. Ueber die physiologische Bedeutung des Ammonshornes. Archiv 
für Physiologie (Suppl.-Bd ), 1—32. 1900. 
Die Ansichten der Forscher über die physiologische Bedeutung des 
Ammonshornes widersprechen sich sehr. Während die einen in ihm ein 
Centrum für die tactile und musculäre Sensibilität sehen, halten es andere 
für das Centrum der Riechsphäre, das auch zur Seh- und Hörspliftre Be¬ 
ziehungen hat. 
Verf. unterzog daher diese Frage einer erneuten Prüfung, indem er 
mehreren Hunden durch sehr vorsichtige, völlig aseptische Operationen 
den gröfsten Theil des Ammonshornes beiderseits entfernte. Die Hunde 
wurden mehrere Tage lang vor der Operation auf ihren Geruch hin unter¬ 
sucht und in ganz derselben Weise nach der Operation noch über einen 
Monat lang. Als Riechobjecte dienten Fleisch und Origanumöl, das den 
Hunden höchst unangenehm war. 
Die Resultate dieser an 7 Hunden vorgenommenen Operation waren 
folgende : 
Alle Hunde zeigten Sehstörungen, die jedoch durch die bei der Opera¬ 
tion unvermeidliche Zerstörung des Hinterhauptlappens völlig erklärt sind. 
Hingegen zeigte kein einziger Hund auch nur die geringste Störung seitens 
des Geruchs-, Geschmacks- und Gehörssinnes oder des Muskelgefühls. Be¬ 
sonders ausführlich wurde der Geruchssinn geprüft, auch dieser zeigte 
keinerlei Störung. Diese Resultate stehen in directem Gegensätze zu den
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.