Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
B. Schmid: Aus dem Seelenleben der Insecten. Ein Beitrag zur Thierpsychologie. Vierteljahrsschrift f. wissenschaftl. Philosophie 24 (2), 173-196. 1900
Person:
Saxinger
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31454/1/
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Literaturbericht. 
einer Maiwoche wiederholte. Es ergab sich als durchschnittliche 
Arbeifcsdauer bei Kemsies kurz nach den Weihnachtsferien : eine Stunde und 
sieben Minuten, bei Koch zu einer Zeit, da die Classe der Versetzung ent* 
gegenging: eine Stunde und 39 Minuten. Bedenkt man, dafs behördlicher¬ 
seits für jede Classe eine Maximal-Arbeitsdauer von zwei Stunden ange* 
setzt ist, so sieht das Resultat recht günstig aus. Ganz anders aber wird 
das Bild, wenn man nicht den Durchschnitt, sondern die individuellen 
Differenzen beachtet. Diese sind ganz enorm. Kemsies theilt die 
Schüler in vier Kategorien, deren letzte die doppelt so grofse Arbeitszeit 
zeigt wie die erste. Diese vierte Kategorie nun — es sind 13 % aller 
Schüler — mufs bei Koch täglich 159 Minuten arbeiten, d. h. überschreitet 
das Maximal-Soll um 39 Minuten. Die dritte Kategorie mit 26 °/o der 
Schüler erreicht gerade die Maximalgrenze. Aus diesen Resultaten leitet 
Kemsies mit Recht die Forderung ab, dafs entweder die Schule mit ihren 
Anforderungen weiter nachlassen müsse, oder dafs den weniger begabten 
Schülern die Aufnahme zu verwehren sei. 
Die ausführlichen statistischen Tabellen bieten auch sonst manches 
Lehrreiche. W. Stehn (Breslau). 
B. Schmid. Aus dem Seelenleben der Insecten. Ein Beitrag zar Thierpsycho¬ 
logie. Vierteljahrsschrift f. Wissenschaft!. Philosophie 24 (2), 173—196. 1900. 
Der Verf. zeigt zunächst, dafs sich der Entwickelungsgedanke auch 
auf dem Gebiete der Thierpsychologie fruchtbar erwiesen hat. Früher be¬ 
zeichnet« man alle seelischen Regungen der Thiere als Instincte, ohne der 
Entstehung derselben nachzuforschen. Die Entwickelungstheorie lehrt, 
dafs das Geistesleben der Thiere ebenso, wie die Arten derselben der Ver¬ 
änderung unterworfen ist, und die geistige Entwickelung sich bis zu den 
einfachsten Lebewesen zu rück verfolgen läfst. Die Anwendung des Ent* 
Wickelungsgedanken auf die Thierpsychologie brachte aber auch Nachtheile 
mit sich: Einerseits vermenschlichte man die thierischen Handlungen 
allzusehr, andererseits erblickte man in allen Thieren nur Reflexautomaten. 
Der Verf. geht dann nach einigen Bemerkungen über die Entstehung und 
physiologischen Grundlagen der Instincte zur Besprechung der Ansichten 
Bethb’s und Wasmannn’s über und beleuchtet an der Hand von Beispielen 
aus dem Leben der Ameisen die Vorzüge der Theorie des Letzteren. 
Bei der Beurtheilung des Seelenlebens der Thiere müssen wir, wie 
Verf. meint, von unserem eigenen ausgehen und dasselbe bis zu den primi¬ 
tivsten Leistungen zurückverfolgen. Die psychischen Vorgänge eines In¬ 
sectes werden uns bis zu einem gewissen Grade immer verschlossen bleiben, 
und wir können da höchstens von einer Aehnlichkeit der Vorgänge sprechen. 
Die Sinne eines Käfers müssen seiner Psyche Inhalte zuführen, die von 
den unseren in Manchem total verschieden sind. Der Verf. zeigt hierauf 
an einem Beispiele, welches gleichfalls von dem Thun und Treiben der 
Ameisen handelt, dafs sich die Instincte übrigens manchmal recht un- 
zweckinäfsig äufsern können. Hieran schliefsen sich weitere Beispiele, 
welche erkennen lassen, dafs die Thiere (Insecten) nicht blos nach Instincten 
handeln, sondern auch Erfahrungen machen und diese auch verwerthen. 
Nach der Anschauung des Verf.’s beruhen die psychischen Erscheinungen
        

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